5. Oktober 2023 – Der häufigste Gesprächsöffner dieser Tage sind in Brooklyn die drei Worte „Are you Jewish?“. Gesprächsöffner ist allerdings nicht ganz ganz zutreffend, denn mit meiner Antwort „No“, „No, I‘m sorry“ oder anfangs versehentlich auch „No, thank you“) ist das Gespräch dann auch beendet. Ich gehöre offensichtlich nicht zur Zielgruppe der männlichen, durch schwarz-weiße Kleidung, Kippa, Schläfenlocken und einen Palmzweig leicht erkennbaren Fragenden. Offensichtlich passen wir vom Aussehen her aber in das „Beuteschema“ (vielleicht eher meine dunkelhaarigen männlichen Begleiter als ich mit meinem Kurzhaarschnitt?) und werden egal, ob auf Subway-Treppen oder beim Joggen im Park, mit der Frage konfrontiert.
Was aber wollen die Fragenden? Anscheinend handelt es sich um strenggläubige Juden, Anhänger der Chabad-Lubavitcher, die Glaubensgenossen und manchmal auch -genossinnen auf den Weg der Tugend zurückführen wollen. Mit Palmzweigen und einer Zitrusfrucht ausgerüstet erinnern sie an die Mitzvah und wollen auf das Kommen des Messias hinweisen.
Als Deutsche und Angehörige des „Tätervolkes“ kann ich nicht einfach weitergehen, ohne zugleich eine Mischung aus Schuldbewusstsein und Neugier für ein so anderes Leben zu empfinden.

Es gibt auch andere Gelegenheiten, bei denen ich besonders viele traditionell gekleidete Juden gesehen habe: ein Gruppenausflug auf einer Fähre, bei der die zahlreichen Mädchen, die mit uns auf dem Oberdeck gesessen haben, zwischen ganz normalem Unsinn und intensiver Lektüre und Rezitieren von Gebeten abgewechselt haben. Alle von ihnen waren aber durch ihre langen Röcke, die mit Strumpfhosen bedeckten Beine und die flachen Schuhe zu erkennen. Oder bei einem Ausflug auf einen der Parks auf der Brooklyner Ufer des East River, bei denen es von Familien mit vielen kleinen Kindern geradezu gewimmelt hat. Sie waren nicht nur in Begleitung ihrer Mütter, sondern auch der Väter, die teilweise nicht nur aufwändig gewebte schwarze Taftmäntel, sondern auch Schtreimel – schwarze, mit Zobelfell dekorierte Kopfbedeckungen – tragen.
All diese Beobachtungen fallen in die Zeit des Sukkot, des Laubhüttenfestes, das vom 30. September bis zum 7. Oktober dauert. Und tatsächlich, jetzt kann ich mich erinnern, im Madison Square Park auch eine „Hütte“ gesehen habe, die wohl zu den Feierlichkeiten gehörte.
Auf jeden Fall lässt sich festhalten, dass das Judentum in New York City einen festen Platz hat: in Greater New York leben laut Wikipedia über zwei Millionen Juden. Zudem gibt es zahlreiche Synagogen und ein Jüdisches Museum, das noch besichtigt werden will.
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