Ein Lieblingsthema der deutschen Medien im Zusammenhang mit New York sind Ratten; wo sie sich herumtreiben, wie man sie am besten jagen kann, wie machtlos die Stadtverwaltung ist… Mein Verdacht: Man will die negativen Seiten der Stadt New York zeigen, um diese Mega-Metropole und diesen Sehnsuchtsort in etwas schlechteres Licht rücken zu können.
Wieviel Ratte ist also tatsächlich in New York? Immerhin gibt es ein „Rat Information Portal“ der Stadtregierung von New York City, der man aktuelle Informationen zu Ratteninspektionen nach einzelnen Blocks (jeweils mehrere Grundstücke) entnehmen kann. Die ganze Stadt wird so kartiert und in grüne, pinke oder graue Bereiche (Letzte Ratteninspektion bestanden/nicht bestanden/keine Untersuchung) unterteilt. Das Bild für Manhattan ist grün und pink gesprenkelt, mit einem großen pinken Rechteck in der oberen Hälfte. Aber konkrete Angaben zur Zahl der Ratten gibt es leider auf dem Portal nicht.

Bringe ich also etwas empirische Evidenz ins Spiel – schließlich sind wir neugierige Neu-New Yorker und haben aktiv Ausschau nach den vierbeinigen Freunden gehalten. Und wir sind fündig geworden: Auf Bürgersteigen sieht man immer wieder nette kleine Graffitis, die den New Yorker Alltag aus Rattenperspektive darstellen: Ratten auf Rollern, Ratten beim Gewichtheben, Ratten beim Pizza-Schlemmen. Auch Hinweise auf ausgelegtes Rattengift sind immer wieder an Baumscheiben zu entdecken. Aber wir haben natürlich auch echte Exemplare bei ihren alltäglichen, oder soll ich sagen allnächtlichen Verrichtungen beobachten können: Vorwiegend in der Dämmerung sieht man Ratten auf die für die Müllabfuhr herausgestellten Tonnen und Säcke klettern. Im Central Park ist eine Joggerin mit spitzen (rattenähnlichen?) Tönen von ihrem Pfad abgewichen, nachdem eines der lieben grauen Tierchen ihr fast über den Schuh gelaufen ist.
Bis zu einer Berührung haben wir es zum Glück noch nicht gebracht. So ganz hat die gemeine Ratte ihre Zurückhaltung noch nicht aufgegeben, daher bislang sind die fotografischen Beweise noch von minderer Qualität. Aber so viel steht fest: Es gibt Ratten, auch in unserer Straße.
Da ist es doch gut zu wissen, dass Bürgermeister Adams das Problem mit einem Ratten-Aktionsplan in den Griff bekommen will und dabei vor allem auf strengere Regeln für das Herausstellen und Abholen von Müll setzt. Mal sehen, ob es wirkt.
Und dass es in Berlin, Hamburg oder München keine Ratten gibt, wäre erst noch zu beweisen.
PS: Ein Thema hat die New Yorker in diesem Sommer allerdings doch bewegt: die Lantern-Fly-Invasion…
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