Keine Woche, kein Tag vergeht in New York ohne Musik – sowieso, wenn ich Flugzeuge, ratternde Subways, singende Nannys im Park, herumgetragene Lautsprecher, Endlosschleifen von „Empire State of Mind“ an Touristen-Hotspots oder auch ganze, am Bürgersteig aufgebauten Schlagzeug-Combos mit einbeziehe. Auch mein derzeitiger Chor beschäftigt mich an zwei Abenden pro Woche und gehört in diese wilde Mischung von Lärm- und Tonquellen.
Aber diesmal kann ich von gleich drei, sehr unterschiedlichen Konzerten und Aufführungen berichten, die wir im Oktober innerhalb einer Woche besucht haben.
Das erste war ein in einem Musiklokal „Le Poisson Rouge“ in der Bleeker Street in NoHo. In einem schwarz gestrichenen Keller haben wir zwei Gruppen gehört: Zunächst Cartoon, zwei Sängerinnen mit Bass und Schlagzeug-Begleitung, dann eine etwas größere Band, Butcher Brown, mit einem Lead-Sänger und Rapper, der zwischendurch zu Saxophon und Trompete gegriffen hat. Das ist zwar nicht das Genre, das ich üblicherweise höre, aber es war auf jeden Fall ein gelungener Abend und seinen Eintritt wert.
Die zweite Aufführung am BAM, der Brooklyn Academy of Music, war eine Mischung aus Gesang, Tanz und Bühnenshow. Das Stück „Broken Chord“ hat lose die Geschichte von einer Gruppe von afrikanischen Musikern nachgezeichnet, die Ende des 19. Jahrhunderts eine Tour durch Europa, Canada und die USA gemacht haben. Dabei tanzten und sangen fünf beeindruckende und vielseitige südafrikanische KünstlerInnen abwechselnd oder sich überlagernd mit einem klassisch-„weißen“ Chor (Choir of Holy Trinity, Wall Street). Durch die Gegenüberstellung wurden Probleme und Erfahrungen der Kolonialisierung, Rassenkonflikte sicht- und hörbar gemacht. – Tolle Musik und Choreographie!

Das dritte Konzerthighlight war rein europäisch: Vox Luminis, ein Vokalensemble aus Belgien, hat drei frühe Bach-Kantaten und eine Kantate von Buxtehude aufgeführt. Die Akustik in der schönen Kirche war nicht ganz einfach, aber die Qualität des Gesangs und der Instrumentalisten hat das mehr als wettgemacht. Ich war auf jeden Fall ganz ergriffen von der musikalischen Darbietung und den alten Texten.
Und dann geht geht man durch die Kirchentüre und steht quasi auf dem Times Square mit all seinem Gewimmel, Gebimmel, Gewusel und Geklingel. Als i-Tüpfelchen für flexible Hörer gab es am Ende des Abends noch einen Snack mit Sound in einer koreanischen Kneipe namens „Turntable Chicken Jazz.
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