Um den Sonnenaufgang auf der Brooklyn Bridge zu bewundern, muss ich jetzt nicht mehr so früh aufstehen. Am 5. November, eine Woche später als in Europa, wurden nämlich die Uhren wieder zurückgedreht auf Nordamerikanische Ostküsten-Normalzeit. Brooklyn ist Berlin jetzt wieder sechs und nicht mehr nur fünf Stunden hinterher.
Nach meinem Eindruck ist die Zeitumstellung hier kein großes Thema. Das mag mehrere Gründe haben:
- New York liegt ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie Rom; die unterschiedliche Länge der Tage sind zwischen Winter und Sommer also nicht so weit ausgeprägt. Zum Vergleich: Am 21. Dezember ist die Sonne in New York neun Stunden und 13 Minuten am Himmel zu sehen; in Berlin beträgt die Tageslänge am selben, kürzesten Tag des Jahres ganze sieben Stunden und 37 Minuten. Mit mehr Sonnenstunden lässt vielleicht das Gefeilsche um die „richtige“ Tageszeit etwas nach.
- Eine zweite Erklärung wäre, dass sich der New Yorker Lebensstil ohnehin nicht so sehr am Tageslicht orientiert. Einige Geschäfte sind 24/7 geöffnet; die Subway fährt rund um die Uhr, am Times Square geht nie das Licht aus. Wen juckt da die Anzeige auf der Uhr.
- Dritte Möglichkeit: Ich verfolge die amerikanischen Nachrichten und Zeit-politischen Diskussionen nicht so intensiv wie die deutschen, habe den Aufschrei also nicht wirklich vernommen.
Tatsächlich hat der US Senat dem so genannten Sunshine Protection Act in 2021 zugestimmt. Damit würde die Sommerzeit (Daylight Saving Time) dauerhaft zur Normalzeit erklärt. Allerdings hat das Repräsentantenhaus sich mit der Angelegenheit nicht weiter beschäftigt, auch nicht mit einem neuerlich in 2023 eingebrachten Entwurf. Damit wird also weiterhin zweimal im Jahr an der Uhr gedreht. Auch wenn es in einigen Bundesstaaten Gesetzesinitiativen gibt, die entweder die Sommerzeit oder die Winterzeit zur Regel machen wollen. Passt nur leider nicht zusammen.
Irgendwie klingt das für europäische Ohren alles sehr vertraut. Schade nur, dass es hier wie dort noch dringendere politische Themen gibt als den „Time Switch“ (nicht zu übersetzen mit „Zeitenwende“).

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