Gefühlte Neighborhoods

Neulich hat sich in in der Chatgruppe unseres Hauses eine angeregte Diskussion darüber entwickelt, zu welcher Neighborhood wir eigentlich gehören. Auslöser war ein sehr interessanter Artikel in der New York Times „An extremely detailed Map of New York Neighborhoods“ (leider hinter einer Bezahlschranke). 

Neighborhoods sind hier ungefähr das, was die Berliner wohl als Kiez bezeichnen: Gegenden in der Stadt, die kleiner als die öffentlichen Bezirke bzw. Boroughs sind, zu denen man aber ein lokales Zugehörigkeitsgefühl entwickeln kann. Google Maps kennt für Berlin ein paar Kieze und markiert zum Beispiel den Bergmannkiez oder das Bayerische Viertel mit klaren Grenzen, ansonsten werden Ortsteile wie zum Beispiel der Wedding markiert. Woher Google seine Weisheit für Berlin nimmt, kann ich nicht genau sagen. Für New York haben die Autoren die Google Grenzen hinterfragt und zahlreiche historische und aktuelle Karten nebeneinander gelegt und zehntausende New Yorker befragt, zu welcher Ortslage sie sich zugehörig fühlen.

Aus den Recherchen ergibt sich ein bunter Stadtplan mit verschieden eingefärbten Neighborhoods, die manchmal klare Grenzen haben, und manchmal sehr in einander verschwimmen. NoHo und SoHo zum Beispiel sind sehr klar von einander getrennt; hier ist die Grenze sozusagen schon in dem Namen festgeschrieben (NoHo = North of Housten Street, SoHo = South of Housten Street). 

Dagegen ist unsere Neighborhood in Brooklyn umstritten. Gehören wir noch zum cooleren, gentrifizierten Prospect Heights oder zu Crown Heights, das (noch) überwiegend von Schwarzen bewohnt wird? Welche Straße ist die Grenze? Der Kampf um die Definitionshoheit wird von Immobilienmaklern, dem Immobilienportal streeteasy.com und Google ausgefochten. Polizeistationen oder Lebensmittelläden tragen mit der jeweiligen Ortsbezeichnung in ihrem Namen bei. 

Ohne Zweifel hat die wahrgenommene Zugehörigkeit zu einem Viertel langfristig Auswirkungen auf Mietpreise und Lebenshaltungskosten. Die Debatte zeigt aber auch, wie sehr sich New York, seine Boroughs und Neighborhoods im ständigen Wandel befinden.

Und trotz aller Unschärfen: die Ortsbezeichnung einer Neighborhood ist für die Orientierung  manchmal hilfreicher als der Name einer Straße, die sich hier gerne mal durch zahlreiche „hoods“ zieht. Über den Anfängerfehler, spontan bei einer Subwaystation auszusteigen, die zufällig den Namen Zielorts trägt, sind wir nach etlichen Kilometern Fersengeld hoffentlich hinweg.

Straße in SoHo (gefühlt)

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn