Eine Kunstform habe ich in diesem Blog bislang höchstens am Rande erwähnt: den Tanz. Vielleicht liegt es daran, dass mich klassisches Ballett bislang nicht immer gefesselt hat. Aber hier in New York habe ich auf jeden Fall meinen Tanzhorizont erweitert – und ein paar wirklich tolle Aufführungen von ganz unterschiedlichen Tanzgruppen und Stilrichtungen gesehen.
Spielstätten, an denen man gutes Tanz-Performances sehen kann, gibt es einige. Von der Brooklyn Academy of Music (BAM) und der dortigen afrikanischen Gruppe von Sängern und Tänzern habe ich schon berichtet; beeindruckend fand ich dort unter anderem einen „Schütteltanz“, bei dem der ganze Körper des Tänzers vibriert hat. So viel Lockerheit und gleichzeitig Kontrolle muss man erst einmal meistern! Am BAM haben wir dann auch eine zweite Aufführung gesehen, die zur Aufnahme von Keith Jarrett’s legendären Köln Concert Elemente von „Vogueing“ und anderen Ausdrucksformen verbunden hat. Aus meiner Sicht kein Must-See, aber definitiv ein Can-See.
Toll war auch eine Stepptanz-Aufführung von Dorrance Dance, die wir schon vor längerem im 92 NY genossen haben. Nicht verstaubt, sondern erstaunlich witzig und vielseitig war das gut einstündige Programm. In einem Stück hat die Haupttänzerin mindestens zehn Minuten lang wahrscheinlich 440 taps per minute (falls das eine gängige Einheit ist?) getanzt. Schon vom Zusehen bekommt man Muskelkater für eine ganze Woche.
Ein für mich sehr überraschendes Tanz-Erlebnis hatten wir neulich, als wir in dem großen Saal der Julliard School eine Aufführung des Stücks „Fairy Queen“ von Henry Purcell mit Les Arts Florissants gesehen und gehört haben. Die Musik und der Gesang waren wie von mir erwartet super, aber das, was visuell geboten wurde, hat es fast noch übertroffen. Streetdance vom Feinsten, jeder virtuose Move vom Headspin bis zum einarmigen Handstand war dabei; dann sind die sechs Tänzer der Compagnie Käfig unter der Leitung von Choreograf und Regisseur Mourad Merzouki wieder als Vögelchen über die Bühne geflattert… Und auch die Sängerinnen und Sänger und sogar einzelne Musiker waren in die Choreografie einbezogen. Schade nur, dass sich das in Worten nur so schlecht fassen lässt! Ich empfehle auf jeden Fall jedem, diese Aufführung zu sehen, wenn sie nach Europa kommt (zu finden unter www.arts-florissants.org).

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