Musikstunde

Im meinem Musikunterricht in der Schule, der zugegeben schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt, fand ich Jazz nicht gerade das spannendste Thema. Vielleicht war der Lehrer damals selbst kein Jazz-Fan, vielleicht war es zu viel Theorie und zu wenig Praxis, vielleicht bin ich inzwischen auch einfach altersmilde geworden. 

Wie dem auch sei, am Samstag haben wir im Lincoln Center eine Jazz-Stunde vom Feinsten erlebt. Begonnen hat das mit dem Ort, an dem die Lehrstunde stattgefunden hat. Lincoln Jazz wird in eigenen Räumlichkeiten am Columbus-Circle aufgeführt, der an der südwestlichen Ecke des Central-Park liegt. Dort gibt es auf der sechsten Etage, also schon eindeutig über allen Baumwipfeln, mehrere Konzertsäle und Bars. In einem Saal haben wir schon einmal einen sehr hörenswerten Auftritt von Samara Joy und kleiner Combo erlebt. Super-Stimme, diese erst 21 Jahre alte Sängerin!

Diesmal waren wir nun im Appel Room, der auf der Bühnenseite komplett verglast ist. Das Lincoln Center Orchestra, das wir diesmal gehört haben, saß und spielte also vor dem Hintergrund der nächtlichen Central Park Street, auf der man ständig die roten und weißen Lichter der Autos und die beleuchteten Wolkenkratzer am Parkrand beobachten konnte.

Vor diesem Hintergrund haben uns vier ältere und jüngere Größen des Jazz auf eine Reise durch ihre Musik mitgenommen:

Wynton Marsalis berichtete, wie er als junger schwarzer Trompeter in Zeiten der Segregation zu einer teilweise weiß besetzten Big-Band gekommen ist und dort viel über unterschiedliche Stile und Rhythmen und echtes Miteinander gelernt hat. Illustriert wurden die Erläuterungen jeweils durch von dem Orchester eingespielte Beispiele (sehr witzig z.B. das Stück „Back to Basics“ mit Hühnergegacker und vorbeifahrenden Zügen).

Sängerin Catherine Russell hat dann über ihre Eltern erzählt, die ebenfalls Profi-Musiker waren und sie schon früh an die Musik und Größen wir Louis Armstrong heranführten. Über den Tanz kam sie zum Gesang, und sie demonstrierte uns auf der Bühne wie unterschiedliche ein und derselbe Song klingen kann, wenn er als Swing oder als Calypso aufgeführt wird.

Der (weiße) Alt-Saxophonist Ted Nash berichtete über seine in der Civil-Rights-Bewegung aktiven Eltern und die politische Botschaft, für die Jazz immer auch stand. Ergänzt wurde es schließlich durch einen noch jüngeren Tenor-Saxophonisten, Abdias Armenteros, der über Einflüsse aus Mittelamerika berichtete.

Schade, dass ich das alles nur mit Worten beschreiben kann. Live und mit Beispielen ist es für mich eine wirklich spannende Stunde gewesen.

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