Brooklyn Public Library

Es ist nur recht und billig, wenn ich heute einmal der öffentlichen Bibliothek in Brooklyn ein kleines digitales Denkmal setze. Immerhin habe ich hier schon etliche Stunden verbracht, drei Viertel meiner Blog-Einträge hier geschrieben, verschiedenste Bücher ausgeliehen, etliche Gigabite Datenvolumen verbraucht – und das ist noch lange nicht alles.

Bibliotheken und Informationsinfrastrukturen sind mir natürlich schon in meinem früheren Leben ans Herz gewachsen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mit normalem Bürojob das Angebot in Berlin viel zu wenig ausgenutzt habe. Die Stadtteilbibliothek hatte meistens geschlossen, wenn ich auf die Idee kam, etwas zu leihen; die Zentral- und Landesbibliothek lag selten am Wegrand. 

Hier in Brooklyn habe ich jetzt das doppelte Glück, dass die Zentralbibliothek in fußläufiger Entfernung ist, und ich weitgehend Herrin über meine Zeit bin. Aber ich glaube, die Rolle der öffentlichen Bibliothek ist hier in den USA tatsächlich noch größer als in Deutschland.

Natürlich gibt es in „meiner“ Bibliothek den klassischen Ausleihservice: Vom Bilderbuch bis zum Business-Planer, der Belletristik bis Brooklyn-Chronik gibt es alles mögliche, was das Herz begehrt. Darüber hinaus ist die Bibliothek auch Ausstellungsraum, (s. Eintrag zu HipHop ganz am Anfang), Berufsberatung oder Wahllokal. Man kann sich Ausweisdokumente ausstellen lassen, einen Immigrationskurs belegen, oder Theater spielen. Mit Bibliotheksausweis kann man zu einer Reihe von Kulturinstitutionen kostenlosen Zutritt erhalten. Zum Verleih werden neben analogen und digitalen Büchern auch Tonträger, Musikinstrumente und Nähmaschinen angeboten. Und auch ein Tonstudio, Drucker und ein Café gibt es.

Entsprechend vielfältig wie das Angebot ist auch das Publikum in den verschiedenen Lesesälen. Es gibt Nannys, die in der Kinderbuchsektion ihre Regenstunden absitzen. In der „Literature and Languages Section“ kenne ich inzwischen den Mathelehrer, der per Videostunde einzelnen Schülern Nachhilfeunterricht gibt, oder die zwei, drei Leute vom Rande der Gesellschaft, die in der Bibliothek möglicherweise ihr einziges zu Hause haben. In der „History, Biography, Religion“-Abteilung sind mir neben ganz regulären Besuchern schon Comic-Zeichner, manische Papierstaplerinnen und (meine Vermutung) religiöse Fanatiker untergekommen. Wahrlich ein Haus, in dem sehr viele Geschichten stecken!

Leider wurde der Haushalt von New York City gerade deutlich gekürzt; auch die Bibliotheken sind betroffen und werden demnächst sonntags geschlossen bleiben.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn