Literaturtipp

Literaturtipp

Schon Ende September/Anfang Oktober fand hier das Brooklyn Book Festival statt – ein neuntägiges Großevent mit Lesungen, einem Freiluft „Literary Marketplace“ mit zahlreichen Ausstellern und insgesamt 300 Autorinnen und Autoren.

Wir haben es immerhin zu einer Lesung geschafft, die – passend oder unpassend – in einer gut gefüllten Kirche stattfand. Auf dem Podium/im Altarraum saß der zweifache Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead, der im Dialog mit dem Autor Dwyer Murphy sein frisch erschienenes Buch „Crook Manifesto“ vorgestellt hat.

Mit etwas Abstand kann ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten des recht amüsanten Gesprächs erinnern, dafür habe ich es mittlerweile aber geschafft, zwei der Romane von Colson Whitehead zu lesen. Nicht die preisgekrönten Werke „The Underground Railroad“ und „The Nickel Boys“, sondern den ersten Roman „The Intuitionist“ und den erwähnten jüngsten Roman.

Beide Werke nehmen die Black Community in den Blick und geben immer wieder auch interessante Einblicke in die jüngere Geschichte New Yorks. „The Intuitionist“ bewegt in der Welt der Aufzug-Inspektoren seine Protagonistin nach unten und oben und thematisiert, wie eine junge schwarze Frau sich in ihrer männlichen und weißen Umgebung behauptet.

Der neue Roman ist der zweite Teil der Harlem-Trilogie und spielt im Milieu der Groß- und Kleinkriminellen, die das Harlem der 1960er und 1970er Jahren zusammen fest im Griff haben, aber in unterschiedlichen Konstellationen auch immer wieder gegeneinander arbeiten. Das Buch in eine einzige Kategorie zu packen, würde ihm nicht gerecht. Es ist einerseits ein Kriminalroman, andererseits ein dunkles Portrait einer Zeit mit Rassenkonflikten und Armut, gleichzeitig aber auch eine Geschichte über familiären Zusammenhalt. Heimlicher Protagonist ist dabei immer auch die Stadt New York – krank, aber unbesiegbar.

Ich habe das Buch häufig mit danebenliegender Karte gelesen, um zu wissen, wie es heute in den beschriebenen Gegenden aussieht, und werde bestimmt noch zu einer Harlem-Tour aufbrechen. Wer aber auch in die Zeit zurückreisen will, der sollte das Buch selber in die Hand nehmen.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn