Queens ist für mich noch weitgehend terra incognita. Einen kleinen Eroberungsversuch haben wir am Samstag gestartet und sind mit Fahrrad aus südlicher Richtung in diesen Teil New Yorks eingefallen. Ziel war eine Zweigstelle des MoMa, das MoMa PS1. Ursprünglich war das Museum, das in einem alten Schulhaus untergebracht ist, ein eigenständiges Zentrum für zeitgenössische Kunst. Seit der Jahrtausendwende kooperiert es mit dem MoMa in Manhattan, hat aber seine Ausrichtung beibehalten: viel Community-Arbeit, jüngere Künstler:innen, Artists in residence.

Ein Beispiel ist die kleine, aber interessante Ausstellung von jugendlichen Künstler:innen im Alter von elf bis 19 Jahren, von denen beeindruckende Zeichnungen und Skizzen gezeigt wurden. Den größten Raum in dem Schulgebäude nahm die Ausstellung von Rirkrit Tiravanija mit dem Titel „A lot of people“ ein. In verschiedenen Räumen wurden alle möglichen Werke präsentiert, die häufig auch Performances und Interaktion beinhalten: szenische Aufführungen, ein Tonstudio, in dem man selbst aktiv werden kann, eine türkische Teestube, eine Tischtennisplatte vor dem Hintergrund eines monumentalen Fotos. Einige seiner Inspirationen hat der Künstler übrigens auch aus Berlin mitgenommen, wo er neben New York und Bangkok einen seiner drei Wohnsitze hat.
Mein persönliches Highlight bei diesem Museumsbesuch war aber ein Werk James Turrell, das speziell für das PS1 geschaffen wurde. Es heißt „Meeting“, aber Highlight beschreibt es eigentlich schon ganz gut: Das Kunstwerk besteht aus einem quadratischen Raum, der auf allen vier Seiten bis zu einer Höhe drei, vier Metern mit dunklem Holz vertäfelt war; darin integriert war eine schlichte Bank im selben Holz. In der Decke des Raumes war ein ebenfalls quadratisches Loch, durch das man direkt in den Himmel schauen konnte. Man konnte keine Ränder wahrnehmen, weshalb ich mich auch gefragt habe, ob meine Sinne mich täuschen. Andererseits war es in der anfangenden Dämmerung schon reichlich kühl. Beeindruckend war aber auch, dass es offensichtlich allen genauso ging: Kein Besucher hat ein lautes Wort gesprochen; alle haben den Blick – man kann schon sagen – ehrfurchtsvoll Richtung Himmel gerichtet und haben das sich ändernde Licht auf sich wirken lassen.
Awesome.
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