Ende November, kalte Tage, zu viel Trubel – wer würde da nicht gerne in eine andere Welt entfliehen? Wir haben quasi von Zauberhand (magische Gesten auf einer flachen Kiste aus Metall und Glas, auf deren glänzender Oberfläche unterschiedliche Bilder erscheinen, und Schwingen einer mit Zahlen bedruckten Plastikkarte) Karten für eine Aufführung von „Harry Potter and the cursed child“ ergattert.
Dieses Stück, das 2016 in London uraufgeführt wurde, basiert auf der von J.K. Rowling für die Bühne geschriebenen zweiteiligen Fortsetzung ihrer sieben Harry-Potter-Romane. In der Broadway-Fassung ist es „nur noch“ ein Stück von dreieinhalb Stunden Dauer.
Harry ist mittlerweile Ministeriumsbeamter und sein Sohn Albus Severus drückt ebenso wie Scorpius Malfoy, der Sohn seines ehemaligen Lieblingsfeindes, die Schulbank in Hogwarts. Mit viel Zauberei und unter Einsatz eines „Time-Turners“ versuchen sie, das Verhältnis zu ihren Vätern und das Verhältnis zueinander zu klären und nebenbei die Vergangenheit zu begradigen.
Mehr vom Inhalt sei hier nicht verraten, nur so viel: Die Handlung ist komplex und wer nicht die gesamte Vorgeschichte kennt, ist wahrscheinlich heillos überfordert. Liebhaber von Bühneneffekten kommen dagegen voll auf ihre Kosten. Mit Lichteffekten und durch wehende Zauberumhänge werden Menschen unsichtbar gemacht; Zauberer und Dinge schweben in der Luft. Auch der Abgang der Schauspieler durch Telefonzellen oder ihr Auftritt durch ein brennendes Kaminfeuer hindurch werden sehr überzeugend auf die Bühne gebracht. Als ehemalige Hexe in Shakespeares Macbeth hätte ich da gerne noch ein wenig mehr gesehen. Aber ein paar Geheimnisse müssen für gute Magie ja bleiben.
Fazit: Gute Unterhaltung, aber kein Grund, um deshalb nach New York zu kommen (Alternative Aufführungsorte sind übrigens neben London auch Hamburg, Melbourne, Toronto und weitere). Und wer hier in Manhattan selber zaubern will, der kann seinen Zauberstab, den Umgang oder das Glas Butterbeer auch in dem Harry-Potter-Store erwerben, der an der hiesigen Diagon-Alley, aka, Broadway liegt. Oder besser noch, er/sie bewirbt sich um ein Praktikum hinter der Bühne.

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