So, die Plätzchen sind aus dem Ofen gezogen, das Buch*, aus dem ich ein paar Aspekte meiner Erkenntnisse präsentiere, möchte wieder zurück ins Bibliotheksregal, und ich fürchte ich habe keine gute Entschuldigung mehr, um mich vor dem versprochenen Thema Parteien in den USA zu drücken.
Im Prinzip ist es ja einfach: Es gibt im Wesentlichen zwei Parteien, die Demokraten und die Republikaner, und dieses Zweiparteiensystem existiert auch schon seit über 200 Jahren, fast seit den Anfängen der Vereinigten Staaten. Aber der genauere Blick zeigt, dass es schon eine ganze Reihe von Unterschieden zum deutschen System und Feinheiten und Entwicklungen im amerikanischen System gibt.
In der Amerikanischen Konstitution sind Parteien nicht vorgesehen. Dennoch haben sie sich aus inhaltlichen Differenzen über den richtigen Weg des jungen Staates recht früh herausgebildet. Waren es anfangs eher Interessensgemeinschaften, so entwickelten sich institutionalisierte Parteien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als auch das Wahlsystem in den Staaten umgestellt wurde. Seit 1848 haben die Demokraten ein „national committee“; die Republikaner folgten wenige Jahre später.
Inhaltlich haben sich die beiden Parteien immer wieder neu orientiert und zu den jeweils aktuellen Fragen positioniert, wie etwa Industrialisierung, verschiedene Einwanderungswellen, Stadt vs. Land, Vietnam-Krieg, Umgang mit Covid19. Änderungen in der Ausrichtungen der beiden Parteien ergaben sich aber auch durch das Hinzukommen neuer Wählerschichten wie der Black Americans und der Frauen – beides sehr langwierige Prozesse.
Bis heute dauert das ständige neu Ausrichten an; um das zu sehen, reicht ein Blick in die Tageszeitungen: Wie stellen sich die Demokraten und Republikaner zum Ukraine-Krieg, zum Gaza-Konflikt, zur Frage der Migration, zum Klimawandel? Gleichzeitig wird hier aber auch ein Unterschied zum deutschen System deutlich: Die Parteien in den USA haben vor allem die Aufgabe, die Kandidaten für die unterschiedlichen Ämter aufzubauen, den Wahlkampf zu organisieren und Spenden zu sammeln; die programmatische Arbeit tritt dahinter zurück.
Für die Präsidentschaftswahlen 2024 läuft gerade die Kandidatenkür. Regelmäßig kann man über die TV-Debatten der Republikaner lesen – und den einen möglichen Kandidaten, der sich aus diesen verbalen Auseinandersetzungen heraus hält und trotzdem in den Umfragen immer mehr Stimmen sammelt. Auch bei den Demokraten rumort es weiter.
Und so kann ich Euch auch von New York aus die Frage nicht beantworten, ob es wieder zu Trump vs. Biden kommt, geschweige denn, wie der nächste Präsident heißt.

Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2020
Q. Federal Election Commission; https://www.fec.gov/resources/cms-content/documents/federalelections2020.pdf
* Ich habe hier eine ganz gute Reihe der Oxford University Press mit Kurzerklärungen zu allen möglichen Fragen entdeckt. In diesem Fall L. Sandy Maisel, American Political Parties and Elections: A Very Short Introduction.
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