Akrobatik

Wenn man nur genügend Newsletter abonniert, und dazu wird man hier eigentlich von den meisten Organisationen genötigt, dann macht man manchmal erstaunliche Zufallsfunde. So sind wir über die Architekturseite ohny.org auf eine offene Probe von STREB aufmerksam geworden.

Nie gehört? Hatten wir auch nicht und sind dann ohne besondere Erwartungen nach Williamsburg geradelt, um „irgendwas mit Modern Dance“ zu sehen. Als wir die Halle betraten, in der neben ein paar Stuhlreihen auch mehrere seltsame Gerüste aufgebaut waren, konnten wir schon ahnen, dass es eher akrobatisch wird. Und so war es dann auch.

Zunächst haben drei Menschen, die mit Spezialstiefeln in die Querstange einer Art hohen Barrens eingehakt waren, sich in voller Länge, mit durchgedrückter Brustwirbelsäule, hockend oder in sonstigen halsbrecherischen Varianten um die Stange gedreht. 

Das zweite „Gerät“ war eine riesengroße Leiter, die so aufgehängt war, dass sie sich der Länge nach um ihre Mitte gedreht hat. Auf dieser beweglichen Leiter sind die zehn Künstler auf- und ab geklettert und haben durch Gewichtsverlagerung oder Veränderung des Hebels die Leiter beschleunigt oder abgebremst. Zwischendurch haben sie sich aus geschätzt acht Metern Höhe auf eine Matte gestürzt, oder haben sich unter der rotierenden Leiter durchgeschlängelt.

Die letzte Vorführung fand auf und in einem riesigen Hamsterrad statt, das durch Laufen im Inneren oder auf dem Scheitelpunkt des Rades angetrieben wurde. Bei nicht geringer Geschwindigkeit sind die Akrobaten in unterschiedlichsten Positionen ein und ausgestiegen.

Etwas weniger nervenaufreibend, aber interessant war auch die anschließende Fragerunde mit den Künstler:innen und der Choreografin Elisabeth Streb. Deren Leitspruch lautete „rhythm in action“; mit der Einordnung in die Kategorie Modern Dance war sie daher nicht ganz einverstanden. Dennoch hatten viele der jungen Menschen eine Vorgeschichte als Tänzer:innen oder Turner:innen. Auf unterschiedlichen Wegen zu STREB gekommen und erst seit kurzer Zeit oder schon fast ein ganzes Leben lang in der Gruppe aktiv, haben sie wie ein gut eingespieltes Team gewirkt, in dem alle Mitglieder einander vertrauen und viel Spaß miteinander haben.

Wer STREB sehen will, kann bei öffentlichen Proben vorbeikommen oder selbst einen Kurs besuchen (http://www.streb.org). Und sie haben versprochen, dass man nicht gleich von ganz oben springen muss.

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