Nachdenkliche Chanukah-Feiern

Dem Vernehmen nach wird Chanukah in Berlin in Deutschland dieses Jahr auch größer – oder zumindest sichtbarer – gefeiert als in früheren Jahren. Zumindest ist bei mir angekommen, dass der Bundeskanzler am Donnerstag die erste Kerze auf der Menorah vor dem Brandenburger Tor angezündet hat.

Auf dieser Seite des Atlantiks ist Chanukah auf jeden Fall traditionell ein wesentlicher Bestandteil der Holiday Season. Ebenso wie Weihnachtsbäume kann man kann kleinere und größere Menorahs an öffentlichen Plätzen, Bauzäunen oder hinter Wohnungsfenstern sehen. Die angeblich größte Menohra Brooklyns steht am Eingang des Prospect Parks und wurde am Donnerstagabend feierlich und mit Kickoff Concert gefeiert. An jedem der acht Abende, an denen des Wiedereinweihung der Tempels in Jerusalem gedacht wird, gibt es Live-Konzerte; die Kinder erhalten kleine Geschenke. 

Wir waren bislang noch an keinem Abend dort, als die Kerze angezündet wurde; man bekommt aber auch schon tagsüber in den Straßen mit, dass die Stimmung in diesem Jahr sehr gemischt ist. In den letzten Wochen konnte man israelische oder palästinensische Fahnen in an Wohnhäusern sehen. Unmittelbar nach den Terroranschlägen am 7. Oktober waren an vielen Stellen Plakate mit den Bildern der Geiseln des Angriffs ausgehängt. Heute sind wir am Times Square an einer pro-palästinensischen Demonstration vorbeigekommen, und auch bei der Thanksgiving-Parade gab es offensichtlich schon Protestaktionen, von denen wir aber nichts mitbekommen haben. In den Medien wird über antisemitische Vorfälle an mehreren Universitäten berichtet, auch hier in New York.

Dabei die Rollen nicht so klar verteilt, wie man vielleicht vermuten könnte. Erst heute haben wir in Brooklyn zwei traditionell gekleidete Juden gesehen, die wahrscheinlich auf dem Weg zu einer Kundgebung waren; auf jeden Fall trugen sie ein Schild mit einer Aufschrift (sinngemäß): Das Land gehört den Palästinensern. Auch in der New York Times kamen säkulare Juden zu Wort, die sich nicht von der israelischen Regierung vereinnahmen wollen lassen. 

Vielleicht sind die weitgehend verweltlichten Chanukah-Feiern auch eine Chance auf mehr gegenseitiges Verständnis. Mit dieser leisen Hoffnung und dem Wunsch auf Frieden für die Menschen in Israel und Gaza beiße ich nachdenklich in ein Rugelach.

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn