Mülltrennung

Beim Aufräumen vor dem anstehenden Weihnachtsbesuch ist mir eine Zeitungsseite wieder begegnet, die ich mir vor einigen Wochen nur angelesen als möglichen Blog-Stoff zur Seite gelegt hatte. Bevor ich sie im Papiermüll entsorge, hier nun also ein Ausflug in die Welt des New Yorker Abfalls.

Zuerst einmal: Auch hier wird der Müll getrennt. Wir sortieren – etwas anders als in Berlin – nach Papier und Pappe, Recyling (hartes Plastik, Metall, Glas, alles gesäubert) und Restmüll. Seit Oktober haben wir auch eine Komposttonne für das gesamte Gebäude; Brooklyn wurde im Herbst flächendeckend und in Ergänzung zu den bereits vorhanden öffentlichen Kompost-Containern versorgt. Das ist schon ganz hilfreich, denn jedesmal 15 Minuten zu einem der smarten Container zu gehen, ihn mit einer App aufzuschließen und dann drei Kartoffelschalen hineinzuwerfen, ist nicht wirklich effizient.

Der Müll des gesamten Hauses wird dann gesammelt und abends ab 18:00 Uhr in schwarzen bzw. durchsichtigen Beuteln an die Straße gestellt; einmal wöchentlich für Recycling und Composting und dreimal wöchentlich für Garbage (Restmüll). Zusätzlich können Privathaushalte auch „large items“, also alte Sofas, Matratzen oder Ähnliches am Straßenrand abstellen, um sie abholen zu lassen. Wenn man in Betracht zieht, dass hier von Getränken bis zu vorgeschnittenem Gemüse vieles in Plastikcontainern verpackt ist, dass man bei jedem Lebensmitteleinkauf standardmäßig doppelte Papiertüten bekommt, und dass besonders in der Weihnachtszeit die Pappkartons von Lieferungen sich stapeln, dann kann man sich vielleicht die regelmäßig entstehenden Gebirgslandschaften am Straßenrand vorstellen. (Ich spare mir jetzt aber den Vergleich mit Brüssel; meine Erinnerungen sind wahrscheinlich schon verblasst).

Zusätzlich zur offiziellen Müllabfuhr gibt es eine lebendige private Kreislaufwirtschaft. Kleinere Haushaltsgegenstände, Bücher oder Kleidungsstücke sind öfter mal an Zäunen zum Mitnehmen ausgehängt. Außerdem gibt es auch hier (meist sehr ordentliche) Menschen, die die Müllbehälter nach Pfanddosen durchsuchen, um sich ein Zubrot zu verdienen. 

Alles in allem: Ein gewisses Umweltbewusstsein ist hier in Bezug auf Müll schon festzustellen, aber es ist auch noch Luft nach oben. Der NYT-Artikel handelte übrigens von einem „Composter“, der sich vor fünf Jahren im Prospect Park aus Frustration über den aus seiner Sicht aussichtslosen Kampf für die Umwelt selbst angezündet hat. Sein Mentee und Gründer der NGO „Compost Power“ hat die Sache aber fortgeführt und dazu beigetragen, dass ab 2024 in allen fünf Boroughs regelmäßig Biomüll gesammelt wird.

Niegelnagelneue Komposttonne mit rattensicherem Verschluss

Hinterlasse einen Kommentar

Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn