Nach dem Rückblick auf Heiligabend gleich auch der auf Silvester und Jahreswechsel, der allerdings ohne nennenswerte Hindernisse verlaufen ist. Wir hatten vorher recherchiert, von wo aus man am besten irgendwelche Feuerwerke sehen kann und hatten diverse Brücken oder East River Ufer in Betracht gezogen. Auch auf dem Grand Army Plaza in Brooklyn, einem Eingang zum Prospect Park, sollten eine Party und Feuerwerk stattfinden. Aber letztendlich sind wir einfach faul zu Hause geblieben und haben auf dem Weg ins Bett noch fünf Minuten lang leises Böllern gehört und sind dann schlafen gegangen – ein perfekter Jahreswechsel, umso mehr als am nächsten Morgen nicht der aus Berlin bekannte Jahresanfangsmüll aus abgeschossenen Raketen, abgebrannten Feuerwerksbatterien und leeren Flaschen auf den Straßen herumlag.
Trotzdem haben wir den Silvesterabend sehr stilvoll mit einer Galavorstellung und Premiere der Carmen-Inszenierung von der britischen Regisseurin Carrie Cracknell verbracht. Schon der Eingang in die Met Opera war ein Erlebnis – so viele Hüte, Pelz, bodenlange Kleider und Glitzer habe ich lange nicht mehr gesehen. Wir hatten uns zwar auch in Kleid und Anzug geworfen, aber waren eindeutig am unteren Ende der Fashion-Skala. Etwas hat sich das relativiert, wenn man wie wir die Stufen zu den höheren Rängen erklommen hat.
Die Vorstellung selber war sehens- und hörenswert. Die Geschichte der freiheitsliebenden und unkonventionellen Carmen und ihren Liebhabern Don José und Escamillo wurde in eine amerikanische Kleinstadt mit Fabrik, Tankstellen und Trucks versetzt. Die Rolle der Carmen wurde von der jungen russischen Mezzosopranistin Aigul Akhmetshina gesungen und gespielt, die mit toller Stimme und sehr viel Energie überzeugt hat. Auch die brave Micaëla war mit Angel Blue ausgezeichnet besetzt. Bei den Männern fiel der eigentlich vorgesehen Tenor Piotr Beczala wegen Krankheit aus und wurde ersetzt durch Rafael Davila, der die Rolle des Don José schon in anderen Produktionen übernommen hat. Vervollständigt wurde das Star-Quartett durch Kyle Ketelsen als Escamillo.
Insgesamt gab es viel verdienten Applaus, auch wenn ich erstaunt war wie schnell das Publikum verschwunden ist – aber vielleicht lag es daran, dass die Smoking- und Briliantenträger:innen ihre Plätze für das Gala-Dinner einnehmen mussten, das für Met-Sponsoren im Anschluss auch in der Oper ausgerichtet wurde. Den vereinzelten Buhrufen für die Regisseurin möchte ich ausdrücklich widersprechen – die Bilder und Schattenspiele waren sehr schön anzusehen.
Ich kann den Besuch der Inszenierung in New York oder in den Kinos (am 23. und 27. Januar finden live-Übertragungen statt) auf jeden Fall empfehlen.


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