Literaturtipp: Pineapple Street

Literaturtipp: Pineapple Street

Nachdem ich mir an meiner Hauptlektüre von Zadie Smith jetzt schon einige Zeit lang die Zähne ausgebissen habe (nein, nicht White Teeth, sondern The Fraud), habe ich etwas Leichteres dazwischen geschoben. Pineapple Street, der Erstling von Jenny Jackson, hat es immerhin auf die Liste der 100 Noteable Books of 2023 der New York Times geschafft und spielt in einer kleinen, aber feinen Ecke von Brooklyn.

Die namensgebende Pineapple Street ist wie die Parallelstraßen Orange Street und Cranberry Street ganz nah am East River, gegenüber vom Financial District. Und dort tummeln sich, nicht ganz überraschend, Leute mit viel Geld. Auch die Autorin lebt in der Pineapple Street (über ihren Kontostand weiß ich nichts) und bis 2016 war der Hauptsitz der Zeugen Jehovas in der Gegend – nicht nur in einem Haus, sondern in mindestens einem halben Dutzend, das unterirdisch mit Gängen verbunden war. Auch diese Lokalgeschichte wird en passant in dem Buch behandelt. Doch zurück zum Roman.

Erzählt wird die Geschichte in der Welt der Superreichen aus der Perspektive von drei jungen Frauen, Darley, Georgina und Sasha. Als Töchter und Schwiegertochter von Chip und Tilda Stockton, die ihrerseits schon aus vermögenden Familien gekommen sind und das Immobiliengeschäft erfolgreich weiter betreiben, haben sie alle ihre kleineren oder größeren Probleme mit der Familie, der Liebe, und (zu viel) Geld. 

Darley hat einen erfolgreichen asiatischstämmigen Mann geheiratet und für ihn und die Kinder auf den eigenen Erbteil und die eigene Karriere verzichtet. Schwierig wird es, als er unerwartet seinen Job verliert. Georgina, die jüngste Tochter, arbeitet für eine Non-profit Organisation und verliebt sich dort in einen Kollegen, der ihr manche Details aus seinem Leben verheimlicht. Sasha schließlich fühlt sich mit ihrem Upper-Middleclass-Hintergrund überfordert von den Erwartungen und dem mit Antiquitäten und Plunder vollgestopften Haus der Schwiegereltern, in das sie nach ihrer Heirat mit Cord Stockton eingezogen ist.

Die Rich-People-Problems werden einen Hauch ernsthafter behandelt als zum Beispiel in „Crazy Rich Asians“. Wie kann ich mein Vermögen verantwortungsvoll loswerden? Worüber kann man in der Familie reden, worüber nicht? Satire, wie es eine der Rezensentinnen schreibt, erkenne ich aber nicht. Vermutlich steckt in den Beschreibungen von Motto-Parties, Gender-Reveals und angesagten Urlaubsorten zu viel Wahres und von der Autorin Geschätztes.

Pinapple Street bleibt aber bei eine gut geschriebene Lektüre. Wer wie ich den gelegentlichen Edelschund schätzt und Einblicke in einen sehr speziellen Ausschnitt von Brooklyn haben will, der kann dieses Buch gut zwischendurch mal einschieben.

Haus in der Pineapple Street, das früher mal den Zeugen Jehovas gehörte

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