Jiddische Lieder

Jiddische Lieder

Ein kleines aber besonderes Event, das wir in der ersten Woche dieses Jahres besucht haben, war eine Vorlesung und Aufführung mit dem Titel „Challenging the Theater of Memory – Yiddish Song beyond Kitsch and Stereotype“. Die beiden Musiker und Forscher, Isabel Frey und Benjy Fox-Rosen, leben in Wien und waren zu Gast im YIVO-Institute for Jewish Research.

Ihr Programm bestand aus traditionellen jiddischen Liedern, Volks- und Partisanenliedern bis hin zu eigenen Kompositionen zu modernen Gedichten oder umgeschriebenen traditionellen Stücken, die begleitet wurden von Erklärungen zur Herkunft und Auswahl der Texte und typischen Melodien.

Eigentlich war die Veranstaltung konzipiert für ein deutschsprachiges Publikum, das überwiegend keinen jüdischen Hintergrund und keine oder wenige Vorkenntnisse über jiddische Musik mitbringt. In dem Saal mit 40 bis 50 Leuten waren wir wahrscheinlich die einzigen, die in die eigentliche Zielgruppe gehört haben; die meisten Besucher der Veranstaltung hatten vermutlich dagegen einen jüdischen Hintergrund und verstanden zumindest teilweise auch jiddisch. Insofern war das Konzerterlebnis für jeden Zuschauer ein wenig anders und in dieser Konstellation auch für die Aufführenden eine neue Erfahrung.

Mir ist an dem Abend noch einmal bewusst geworden, dass ich doch recht wenig weiß über heute gelebtes und praktiziertes Judentum und jüdische Gegenwarts-Kultur. Ich habe in Deutschland viel zu wenig Berührungspunkte mit und daher vielleicht auch Berührungsängste vor einem komplexen Thema. Judentum und jiddische Kultur nicht auf das Gedächtnistheater reduzieren, das nur die Figuren Antisemitismus, Israel und Shoa kennt, das war das Anliegen der Veranstaltung; und sie hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass es mehr gibt. Nostalgie und Sehnsucht, aktiver Widerstand der Opfer, aber kein Ausspielen verschiedener Opfergruppen gegeneinander, bis hin zur Rolle der Jiddischen Sprache, die von säkularen Juden eigentlich nicht mehr gesprochen wird (in den orthodoxen Gegenden in Willamsburg hört man sie durchaus), aber als Sprache für die Kunst und die Fortsetzung einer eigenen Kultur weiter gepflegt wird.

Ich höre hier auf, auch wenn ich in das komplizierte Thema deutsch-jüdischer Geschichte nur angetippt habe. Ich muss noch viel lernen und weiter nachdenken. Das auf jeden Fall hat dieser Abend gezeigt.

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