Die Befassung mit Kirchen scheint mir ein geeignetes Wochenendthema. Fällig ist es zudem schon seit Längerem, wird oder wurde doch Brooklyn mitunter als „Borough of Homes and Churches“ bezeichnet. Und so bleibe ich heute in meiner B-City Brooklyn, die ja alleine betrachtet schon die viertgrößte Stadt in den USA ist.
Meiner persönlichen Gretchenfrage (die originale, also: wie habe ich es mit der Religion?), will ich hier erst einmal ausweichen. Als neutrale Beobachterin kann ich aber feststellen: es gibt wirklich sehr viele Kirchen hier, auch wenn ich keine verlässliche Zahl nennen kann. Synagogen, die hier in der Regel als Temple bezeichnet werden, will ich diesmal außen vor halten, ebenso Moscheen. Aber auch unter christlichen Kirchen hat man hier die Qual der Wahl – oder anders betrachtet: jeder kann hier nach seiner Fasson seelig werden. Unter den evangelischen Kirchen gibt es die Presbyterian, Episcopal, Lutheran, Methodist, Reformed Churches, dazu kommen katholische Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften.
In Kombination mit den zahlreichen Sprachen und Ethnien wird es nahezu babylonisch. Ein schon etwas in die Jahre gekommenes Register der Kirchen in Brooklyn weist Gemeinden von A wie „A Family of God for the Church of God“ bis Z wie „Zion Tabernacle Holiness Church“ aus. Dazwischen sind so spezielle Kirchen wie die „Haitian Evangelical Church of Christ“, die „Macedonia Mission Baptist Church“, die „Eglise da La Etoile Du Matin“ oder die „Iglesia Hispana Pentecostal Alpha Y Omega“.
Nicht alle Kirchen sehen auch wie Kirchen aus – dabei kenne ich als als Berlinerin natürlich schon die Gotteshäuser, deren Fassade sich einfach in die umgebende Häuserfront einreiht. Und unsere Brüsseler Gemeinde war auch hinter einem Wohnhaus versteckt. Wie bei fast allen Dingen, geht es aber beim Glauben hier auch noch etwas spezieller zu als anderenorts. Von runtergekommenen Einfamilienhaus mit schief hängendem Eingangsschild bis zur großen Kathedrale, die dennoch im Schatten der Hochhäuser verschwindet, gibt es hier alles.
Eine Gemeinde, in der ich mich heimisch fühle, habe ich dagegen noch nicht gefunden – und, wenn ich ehrlich bin, auch noch nicht wirklich gesucht. Katholische Agnostiker deutscher Sprache in Brooklyn, das wäre vielleicht meine Gruppe. Aber ich lasse das Ende hier mal offen…

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