Das Metropolitan Museum, kurz Met, habe ich bislang in der Berichterstattung noch sträflich vernachlässigt. Als mildernde Umstände kann ich dabei vielleicht geltend machen, dass ich nicht über dieses Riesenhaus mitten im Central-Park schreiben wollte, bevor ich mich gründlich darin umgeschaut habe. Inzwischen war ich zwar zum zweiten Mal im Met, aber bin immer noch weit davon entfernt, an allen Exponaten wenigstens einmal vorbeigegangen zu sein.
In dem Museum, das zu den größten der Welt zählt, ist von byzantinischen Geschmeiden, über mittelalterlichen Skulpturen, komplett eingerichteten Sälen aus Rokkoko-Schlössern bis zu Malerei der Gegenwart alles enthalten (wenn es nicht zufällig ein mittelalterlicher Kreuzgang ist, der in der Dependance The Cloisters im Norden Manhattans zu sehen ist, oder in einem der anderen großen New Yorker Museum hängt). Nach Renovierungs- und Umbaupause ist seit kurzem auf jeden Fall auch die europäische Malerei von 1300 bis 1800 wieder zu bewundern.
Ich habe mich bei meinen Besuchen bislang hauptsächlich auf die Sonderausstellungen konzentriert, oder seien wir ehrlich, jeweils eine. Während im September 2023 noch Vermeer und weitere Flamen gezeigt wurden, waren diesmal Werke von zwei Franzosen zu bewundern. „Vertigo of Colour – Matisse, Derain and the Origins of Fauvism“ heißt die Ausstellung, deren Bilder fast alle im Sommer 1905 an der französischen Mittelmeerküste nahe der spanischen Grenze entstanden sind.
Der malerische Ort Collioure, den wir in einem Urlaub vor gut zehn Jahren auch schon besucht haben, liefert die meisten Motive. Vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Tagen noch, mein Foto-Archiv durchzublättern und ein Urlaubsbild nachzureichen. Aber das wirkt wahrscheinlich langweilig. Matisse und Derain haben bei ihrem Aufenthalt so viel mit Farben experimentiert und sich von der gesehenen Realität zur gefühlten Realität fortbewegt, dass die Übereinstimmung sich wohl in Grenzen hält. Schiffe und Wasser, in Rot und Orange-Tönen, Mauern aus goldgelben, groben Pinselstrichen – damit haben sie zu ihrer Zeit Grenzen gesprengt und wurden als „les Fauves“, die wilden Tiere, bezeichnet.
Für heutige Augen ist die Ausstellung ein sommerlicher Gruß vom schönen Mittelmeer.



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