Auch wenn man nicht so gerne darüber spricht, so sind Toiletten, ihre Verfügbarkeit und Sauberkeit doch ein wichtiger Punkt, wenn man eine Stadt erobern will. Daher habe ich schon lange geplant, einmal über diese Seite New Yorks zu schreiben und im Sinne eines „Good Loo Guides“ ein paar Empfehlungen auszusprechen.
Zunächst einmal lässt sich feststellen: Deutschland im Allgemeinen und Berlin im Besonderen ist in Sachen Toiletten sicher kein Musterknabe. Kostenlose, saubere öffentliche Toiletten sind quasi nicht vorhanden, die Wall-Häuschen stehen zwar an verschiedenen strategisch relevanten Stellen, aber sind nicht gerade eine Zier und vor allem recht teuer. Ein, zwei nostalgische Pissoirs sind vielleicht noch ganz schön anzusehen (war nicht der am Senefelder Platz sogar in Babylon Berlin zu sehen?); für mich sind sie aber aus mehr als einem Grund keine Option. (An dieser Stelle fällt mir auch noch die fast absurde Pinkelgelegenheit für Männer an der Kirchenmauer bei Sainte Cathérine in Brüssel ein… – Wirklich ein ergiebiges Thema!) Bleiben Cafés und ein paar Anlaufstellen in Kaufhäusern, die man für dringende Fälle in seinen mentalen Stadtplan eintragen sollte.
Hier in New York ist es im Allgemeinen leichter, Anlaufstellen für die fachgerechte Entsorgung von Körperflüssigkeiten zu finden. In den größeren Parks und bei Spielplätzen gibt es eigentlich immer echte, aus Stein gemauerte Platzhäuser mit Toiletten, die auch meistens in einem guten Zustand sind. Die Bio-Supermarktkette Wholefoods ist verlässlich mit „restrooms“ ausgestattet – durchaus ein Argument, um dort nach erledigter Mission auch etwas einzukaufen. Und die Allzweckinstitution Bibliothek ist auch für diese Art von Notfällen ein sicherer Hafen.
Soweit passt hier also das Angebot an Toiletten zusammen mit der harten Haltung des Staates gegen öffentliches Urinieren. Wie hart diese tatsächlich ist, liegt wie so vieles in den USA in der Zuständigkeit der Bundesstaaten.
Aber dass auch vermeintliche Sauberkeit sehr unappetitlich werden kann, zeigt ein Rechtsstreit um einen Jungen, von dem die New York Times Ende des letzten Jahres berichtete: In Mississipi wurde ein zehnjähriger Schwarzer beim Pinkeln hinter dem Auto seiner Mutter erwischt. Von insgesamt vier weißen Polizisten wurde er in Gegenwart der Mutter festgenommen und auf die Polizeistation gebracht. Anschließend wurde er dem Jugendgericht vorgeführt, wo er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Seine Familie ficht das an und vermutet Rassismus als wahren Hintergrund.
Ende noch offen.

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