I like to be in America? Well, I‘m not so sure. Spätestens seit dem Super-Tuesday und dem offiziellen Ausstieg von Nikki Haley aus dem Rennen um die Nominierung bei den Republikanern wissen wir, dass es bis zur Wahl in acht Monaten bis zur Wahl einen ziemlich schmutzigen Wahlkampf zwischen zwei alten weißen Männern geben wird, von denen der eine ein verurteilter, frauenverachtender, demokratiefeindlicher Demagoge ist, dem Europa, die Welt und eigentlich auch Amerika egal sind, so lange er nur sein Ego befriedigen kann. Keine Sorge, meine Sympathien sind schon eindeutig für Biden, aber dass er so etwas wie Aufbruchstimmung heraufbeschwören kann, sehe ich nicht.
Aber man hat das alles ja schon länger kommen sehen, und die weltpolitische Lage – Gaza, Ukraine, Putin, chinesische Drohgebärden – machen das Regieren hier auch nicht einfacher. Auch wenn ich immer noch kein Gefühl dafür habe, was die Leute hier wirklich bewegt. Wirtschaft?Waffen? Abtreibung? Migranten? Oder ist es die Hoffnung auf die einfache Lösung aller Probleme? Make America Great Again?
Und weil das Wetter so schlecht ist wie meine Laune (es gibt mal wieder Dauerregen und Flutwarnungen in New York), oder meine Laune so schlecht wie das Wetter, habe ich mich in der Bibliothek gleich noch mit den „richtigen“ Quellen hingesetzt, um mich noch weiter in den anstehenden Qualkampf zu vertiefen.
Zum Beispiel ist mir neulich ein wirklich hässliches Buch über Joe Biden ins Auge gefallen, das ich jetzt aus der Liste der Bibliotheks-Neuerwerbungen herausgefischt und durchgeblättert habe. Brrr, so viel pseudo-wissenschaftliche Desinformation! Soll ich dieses Werk von einem Breitbart-News-Herausgeber (ich nenne keinen Titel und keinen Namen) jetzt ausleihen und für möglichst lange Zeit aus dem Verkehr ziehen? Oder irgendwo zwischen den Reiseführern verstecken? Schade (sage ich nur bei dieser Gelegenheit), dass diese Bibliothek sich gegen das Verbannen von Büchern ausspricht (und damit gegen die republikanische Tendenz zum Verbot von immer mehr Büchern arbeitet).
Große Unterschiede im Stil gibt es auch, wenn man die Wahlkampfseiten der beiden Kontrahenten anschaut. Während Trump mit vielen Großbuchstaben, Farben, Kursivdruck und Ausrufezeichen Verbalinjurien gegen seinen politischen Gegner wütet („Crooked Joe Biden and his thugs are weaponizing law enforcement against their #1 opponent“, „The Washington Establishment & Bidens‘s corrupt deep state“) weist Biden in seinem ersten Wahlvideo – durchaus amerikanisch-pathetisch – mit Bildern und Worten auf seine Ziele hin: Freedom, Democracy, Equality.
Über den richtigen Weg zu diesen Zielen könnte man ja durchaus diskutieren. Schade, das alles so sehr nach Schlammschlacht aussieht.

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