Klar, ist das Kunst – ist ja im Museum ausgestellt! Das ist die platte Antwort auf die Frage, die wir heute im Familienkreis intensiv diskutiert haben. Anlass war die relativ neue Ausstellung „Harald Cohen: Aaron“, die von Februar bis Mai im Whitney Museum gezeigt wird. Dort werden Werke von Harald Cohen (1928-2016) präsentiert, die dieser mithilfe der von ihm entwickelten AARON-Software erzeugt hat. Die Kuratoren bezeichnen AARON als die erste Künstliche Intelligenz in der Kunst. Ob es wirklich schon KI im heutigen Verständnis war, lässt sich sicher hinterfragen – AARON als malende Maschine ist aber ungefähr genauso alt wie seine Worte produzierende „Schwester“ ELIZA, die von Joseph Weizenbaum in den 60er Jahren entwickelt wurde – und war insofern auf jeden Fall eine Eroberung von Neuland.
Die AARON Software unterscheidet sich von heutigen Bilderzeugungsprogrammen, die verbale Beschreibungen in Bilder umsetzen: Harald Cohen hat Bilder mit einem Stift erzeugt, der von einem Plotter über Papier geführt wurde. Wo genau die Maschine malt, legte er über ein Programm fest. Und anfänglich hatte Cohen noch nicht einmal Zugang zu einem eigenen Computer – gearbeitet hat er mit Lochstreifen, nicht mit elektronischem Stift auf Touchscreen! Neben den Werken auf Papier kamen später noch Werke für den Bildschirm oder Projektion dazu.
Mit innovativen Methoden visuell erfassbare Werke schaffen und dabei Fragen aufwerfen, wie ästhetische, wohlproportionierte Bilder entstehen können, wo die Möglichkeiten und Grenzen für die Maschinen sind – das ist für mich Kunst. Nebenbei finde ich die ausgestellten, farbenfrohen oder schwarz-weiß Bilder auch noch ganz schön – aber das ist kein notwendiges Kriterium für Kunst.
Und zu guter Letzt noch ein Disclaimer: Das digitale Foto über dem Artikel habe ich noch leicht zugeschnitten und gekippt. Digital, aber keine Kunst.


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