Nicht alles im Leben ist ein Wettbewerb, aber in unserem privaten Veranstaltungskalender lädt die terminliche Nähe von zwei Abenden mit Gesang zum Vergleich ein.
Auf der einen Seite steht ein Abend mit John Holiday im Jazz at Lincoln. Aufmerksam geworden bin ich, weil Holiday als Countertenor angekündigt war und ich das besondere Timbre dieser Stimmgruppe in der Alten Musik kenne und schätze. Der Name John Holiday hat mir dagegen nichts gesagt.
Der Abend in dem spektakulären Appel-Saal mit Blick auf die nächtliche 59th Street begann akustisch brav mit einer Reihe von Kunstliedern der amerikanischen Komponistinnen Florence Price und Margaret Bond, die auf dem Klavier von Jeanne-Minette Cilliers begleitet wurden. Danach passte das Programm jedoch eher zum Veranstaltungsort: Holiday trug unterstützt durch eine Jazz-Combo aus Piano, Bass und Saxophon drei Gospel und eine Reihe von eher intimen Jazz-Stücken vor. Dabei war er in allen Genres gleichermaßen überzeugend. Sein spektakuläres Kostüm – Glitzeranzug unter Glitzermantel, auffällige Brille, zahlreiche Ringe – hätten bei manch anderem den musikalischen Eindruck übertönt; hier unterstrich es nur den außerordentlichen Sänger, der auch noch als sympathisch herüberkam. Um die Vielseitigkeit zu verdeutlichen gibt es hier zwei Hörbeispiele von anderen Aufführungen Holidays: Händel – Agrippina, Gershwin – Summertime.


Der zweite musikalische Abend war eher auf der E-Musik-Seite (auch wenn die Grenzen zwischen E- und U-Musik hier sympathischerweise nicht so scharf sind): Die Greenwich Village Chamber Singers unter Michael Sheetz haben in einem Konzert „Dialogues: Byrd and the Modern Motet“ eine spannende Mischung von alter und moderner Musik vorgetragen. Das Programm um William Burds Mass for Four Voices war durch den ständigen Wechsel zwischen Teilen der Messe und Stücken von Komponist:innen der Gegenwart sehr abwechslungsreich; der Chor hat die polyphonen Werke ebenso wie die Reibungen und Dissonanzen überzeugend gesungen und vor allem sehr gut artikuliert.

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