Tea Time

Tea Time

Irgendwann im Winter haben wir ein neues Hobby entdeckt. Der ganzen Cappuccinos in Riesenportionen, Pumpkin spice Lattes und Sesame Cortados überdrüssig und mit bereits etwas strapaziertem Magen, haben wir mehr auf Tee umgesattelt. Dieses Unterfangen war zunächst gar nicht so leicht. Man erhält zwar in allen Cafés (neben Matcha Latte, den ich hier aber nicht unter klassischen Tee zähle) auch einen schwarzen Tee, in aller Regel ist das Angebot aber beschränkt auf die Sorten English Breakfast und Earl Grey, die lieblos als Beutel vorgefertigt sind und in den Pappbecher geworfen werden.

Auch für den heimischen Teegenuss sieht es nicht zu gut aus. Die Regale der Lebensmittelläden sind zwar voll mit Beuteltee in allen künstlichen oder naturidentisch aromatisierten Arten, aber ein ehrlicher Darjeeling, First oder Second Flush? – Fehlanzeige.

Doch lebenslang geschult, kennen wir keine Probleme, sondern nur Herausforderungen und suchen das lose Teeblatt in New York City. Und siehe da, nach und nach tauchen immer mehr interessante Orte auf, in denen man Tee kaufen oder auch vor Ort genießen kann. 

Für chinesischen Tee ist Chinatown in Manhattan sicher eine gute Fundstelle, der ich allerdings mangels einschlägiger Sprachkenntnisse noch nicht gleich nachgegangen bin. Aber auch ohne Mandarin kann man im südlichen Manhattan Läden finden, die losen Tee verkaufen, sei es solo oder in Kombination mit Gewürzen oder Kaffee. Darüber hinaus haben wir aber auch ein paar wirklich schöne Teehäuser gefunden, die den Genuss richtig zelebrieren.

Harney & Sons in Soho ist modern eingerichtet und hat eine große Wand mit den bekannten großen Teedosen vollgestellt – im Angebot sollen über 300 Sorten sein. Im hinteren Teil des Ladens kann man sich hinsetzen und vor Ort einen Tee mit Scones, Jam und Cream genießen oder sich durch verschiedene Teesorten durchprobieren.

Kleiner, aber noch charmanter ist Paquita im West Village: im winzigen Innenraum ist nur Platz für ungefähr sechs Personen, draußen in der wahrscheinlich in Coronazeiten zurechtgezimmerten Außenstelle passen noch einmal ähnlich viele hin. Der Tee wird hier in glänzenden Kupferdosen präsentiert und in schweren gußeisernen Kännchen serviert, auf Wunsch auch mit Teegebäck.

Eine High end Erfahrung war der Puerh Brooklyn teashop, den wir am vergangenen Wochenende ausprobiert haben. Von außen sieht man ein paar schlichte schwarze Teedosen in Regalen, wenn man sich aber in das Geschäft begibt, entdeckt man das eigentliche Schmuckstück im hinteren und unteren Teil des Ladens: Hier kann man (gegen einen nicht unerheblichen Obolus) Jahrgangstees in bis zu zehn Aufgüssen genießen – stilecht auf dem Boden vor kleinen Holzbänkchen kniend und ohne jegliche Ablenkung durch Stadtgetümmel oder elektronische Geräte.

Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, höre ich an dieser Stelle auf; ich habe aber noch mindestens weitere drei Tearooms schon auf meiner Karte markiert und werde diesem Hobby sicher auch in den nächsten Monaten fröhnen.

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