Brrr, draußen ist es bei schönstem Sonnenschein gerade so kalt und windig, dass ich meinen Podcast-Spaziergang mit Vorbereitung auf den nächsten Artikel abgeblasen habe (jetzt weiß ich wenigstens, woher dieser Ausdruck kommt…) Macht aber nichts, ich habe ja noch ein paar Themen offen: Black History, Women‘s History, Queer Culture. Und über besuchte Veranstaltungen kann ich sowieso immer schreiben. Das alles lässt sich mit einem Sujet unter einen Hut bringen: Josephine Baker.
Gestern Abend gab es im Auditorium der Brooklyn Public Library ein Konzert über diese schillernde, engagierte Frau mit dem Titel „Valerie Coleman‘s Portraits of Josephine“. Vorgetragen wurde es von einem kleinen Orchester (Flöte, Oboe, Horn, Klarinette, Fagott, Percussion) und einer Erzählerin, die als Josephine Baker auf der Bühne saß und die Musikstücke kommentierte. Die Schauspielerin, gleichzeitig auch Autorin der Texte, nahm das Publikum mit in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in eine fiktive Show vor ihrem Auftritt in der Carnegie-Hall, in der sie ihr bewegtes Leben Revue passieren ließ. Stationen waren:
Ihre Jugend in den Südstaaten: – geboren wurde Josephine Baker 1906 unter dem Namen Freda Josephine McDonald in St Louis, Missouri, und wuchs dort in komplizierten Familienverhältnissen auf. Sie selbst musste früh ein Zubrot verdienen und trat daher auf der Straße auf, wo sie von einer afro-amerikanischen Tanzgruppe entdeckt wurde. Schon mit 13 Jahren heiratete sie zum ersten, mit 15 Jahren zum zweiten Mal (von dieser ebenfalls kurzen Ehe der Nachname Baker), lief bald von zu Hause und der Segregation davon und schloss sich einer Revuegruppe an, die sie schließlich nach New York führte.
Paris war der nächste Karriereschritt; hier wurde Baker ein gefeierter Star und erlebte eine von Rassendiskriminierung freie Umgebung. Anders als in den Südstaaten wurde sie in Hotels und Restaurants nicht nur höflich und mit der gleichen Wertschätzung wie Weiße behandelt; sie wurde umjubelt und hofiert für ihren Tanz, ihren Gesang und Kostüme, die mehr Haut zeigten als sie verbargen (Ikonisch: das Bananenröckchen). Wieder durch Eheschließung (und zwischendurch gab es diverse andere Beziehungen) erlangte Baker 1937 die französische Staatsbürgerschaft.
Nächste Station in der musikalischen Reise und Bakers Lebensreise Casablanca, wo sie während des zweiten Weltkriegs die französische Résistance unterstützte. Schon zu Beginn des 2. Weltkriegs war sie vom französischen Geheimdienst als Informantin rekrutiert worden und nutzte seitdem ihre Bewegungsfreiheit als Künstlerin und ihren Charme, um Nazionalsozalisten, Anhängern des Vichy-Regimes und Vertretern neutraler Staaten Informationen zu entlocken, die sie dann in Geheimtinte auf Notenpapieren geschrieben an ihre Kontakte schickte.
Ins Land ihrer Geburt kehrte Josephine Baker für Auftritte und für ihren Einsatz für die Rechte der Black Americans zurück. So weigerte sie sich, bei Veranstaltungen aufzutreten, bei den das Publikum nach Rassen getrennt wurde. Auch an dem Marsch nach Washington mit MLK nahm sie teil.
Dieses Engagement für die Bürgerrechte war auch der Teil der Biographie, bei der das Publikum der gestrigen, gut besuchten Bibliotheksveranstaltung am meisten mitging. Man merkt immer wieder: Die Wunden in der Gesellschaft sitzen schon sehr tief.
Nachklapp: Auch in anderen B-Städten, wurde und wird Bakers Leben und Wirken gewürdigt: aktuell in der neuen Nationalgalerie in Berlin; schon im Jahr 2023 gab es eine Ausstellung Josephine Baker – Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit in der Kunsthalle Bonn.

Hinterlasse einen Kommentar