Gut gealtert: Chrysler Building

Gut gealtert: Chrysler Building

Heute soll es um das meiner Meinung nach immer noch schönste Gebäude in Manhattan gehen, das Chrysler Building. Jeder kennt die glitzernde Spitze, die seit bald hundert Jahren auf dem Turm thront, und wahrscheinlich ist das Gebäude neben der Brooklyn Bridge, der Freiheitsstatue und dem Empire State Building eines der am häufigsten abgebildetes Wahrzeichen dieser Weltstadt. Dabei wird es langsam schwierig, einen unverbauten Blick auf das Chrysler Building zu werfen. 

Das war zum Zeitpunkt seiner Eröffnung im Jahr 1930 noch anders. Immerhin für knapp ein Jahr war es mit 319 Metern das höchste Gebäude in New York und der ganzen Welt, bevor es von dem Empire State Building (443 Meter) überholt wurde. Dieser Rekord hielt dann immerhin für etwa 40 Jahre. 

Doch zurück in die goldenen Zwanziger, das sogenannte Jazz-Age, in dem gleich mehrere Häuser in den Himmel wuchsen. Neuartige Stahlkonstruktionen, die Erfindung des Aufzugs, das Wachstum der Stadt New York und die florierende Wirtschaft trugen dazu bei, dass ein regelrechter Bauboom ausbrach. Vor allem im heutigen Financial District an der Südspitze Manhattans und in Midtown, rund um den relativ neuen Bahnhof Grand Central (eröffnet 1913) lieferten sich die Industrie- und Handelsgrößen einen regelrechten Wettbewerb.

Einen echten Zweikampf um die Trophäe „höchstes Gebäude der Welt“ trugen auch die Bauherren und Architekten des Chrysler Building und des 40 Wall Street Building (heutiger Eigentümer ein gewisser Donald Trump) aus. Die beiden Architekten, frühere Kollegen und Freunde, waren zu ernsthaften Konkurrenten geworden, verfolgten aber sehr unterschiedliche Konzepte. Während William Van Alen für das aufstrebende Unternehmen Chrysler ein modernes Art Deco-Gebäude plante, blieb Craig Severance mit seinem neogotischen Stil für die Manhattan Company eher traditionell. Der Kampf um die Höhenmeter wurde aber mit allen Mitteln ausgetragen: Presseartikel, Zukauf von Grundfläche, um die rechtlichen Rahmenbedingungen einhalten zu können, heimliche Pläne zur Aufstockung und schließlich als Krönung des Ganzen die Edelstahlkuppel auf dem Chrysler Building, die die notwendigen Höhenmeter draufsetzten. (Das wäre doch mal Stoff, für eine schöne Mini-Serie – möglicherweise wird allerdings die Kulisse etwas aufwändig.)

Während aber heute die in den letzten rund zehn Jahren neu hinzugekommenen Hochhäuser nur von oben auf die bald hundertjährigen Immobiliengreise herunterblicken können, können wir immer noch die Details des Chrysler Gebäudes bewundern. Nicht nur die im Sonnenlicht glänzende Kuppel aus deutschem Nirosta-Edelstahl, sondern auch zahlreiche Details lohnen einen Blick: Mauerwerk im Webmuster, Ornamente wie Wasserspeier oder Radkappen in der Fassade, der Eingangsbereich. Leider habe ich es nicht nach Innen geschafft.

Wer sich aber weiter informieren will, findet bei den Bowery Boys Lesestoff oder kann sich bei den  einschlägigen Anbietern einen Podcast anhören.

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