Immer geradeaus

Immer geradeaus

Apropos Spaziergang. Wenn man nichts Besonderes vorhat und das Wetter mitspielt, kann man in New York ja immer einfach mal drauflos laufen. Auch ohne viele Richtungswechsel haben wir auf diese Weise schon interessante Gegenden entdeckt, auch wenn wir gar nicht danach gesucht haben.

An diesem Sonntag haben wir uns in die Upper West Side aufgemacht, um durch den Riverside Park, also immer den Hudson entlang nach Norden, zu einem kleinen Sakura-Park zu kommen – in der Hoffnung, dort schon die ersten Kirschblüten zu sehen. Nun, den Park haben wir erreicht, aber anstelle der Blüten konnten wir bislang nur Knospen bewundern. Dafür gab es gleich nebenan das General Grant Memorial, das an den 18. Präsidenten der USA erinnert, der, bevor er das Amt übernahm, auf Seiten der Unionists im Bürgerkrieg gekämpft und zur Beendigung der Sklaverei beigetragen hat. Optisch ist das Granit-Monument schon einmal ein kleiner Vorgeschmack auf Washington D.C., wo wir demnächst auch einmal ein paar Tage verbringen wollen. Und wer weiß, vielleicht können wir dort sogar japanische Kirschbäume in voller Blüte erleben.

Ein Spaziergang am Wochenende davor war in anderer Hinsicht interessant. Nach Williamsburg bewegen wir uns ja gerne immer wieder. East River, schöne Cafés, coole Second-Hand-Läden, jeder hat so seinen Grund, dorthin zu wollen. Allerdings sind die Nord-Süd-Verbindungen mit der Subway immer etwas schwierig. Deshalb haben wir uns diesmal zu Fuß Richtung Norden aufgemacht und sind auf einer Route, die etwas weiter östlich verlief, mitten in das jüdisch-orthodoxe Viertel hineingeraten. 

Sieht man die Bedford-Avenue in Crown Heights noch bunt gemischte Passant:innen, so begegnen dort einem irgendwann fast nur noch Männer mit Schläfenlocken, Frauen mit Perücken, langen Röcken und flachen Schuhen sowie viele Kinder in allen Altersklassen. Das Treiben wirkt ernst und geschäftig, von Cafés und Touristen keine Spur, dafür überall die klassischen gelben Schulbusse, die hier hebräische Aufschriften tragen.

Folgt man wie wir der Bedford-Avenue einfach immer weiter und überquert die nächste Querstraße. wird es plötzlich trendig: Leute sitzen entspannt in Restaurants, tragen schicke oder schrille Kleidung und sind alle cool. Schon interessant, wie unterschiedlich eine Straße sein kann!

Ich habe jetzt gerade mal nachgeschaut: Die Bedford-Avenue kann man auch in die Gegenrichtung noch laufen; nach gut sechs Meilen ist man dann fast am Atlantik angekommen und hat sicher viel erlebt.

Hinterlasse einen Kommentar

Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn