Schwerter zu Tanzschritten

Schwerter zu Tanzschritten

Von der Natur zurück nach drinnen, diesmal zur Bühne. Auch wenn unser kulturelles Programm ja nicht gerade knapp ausfällt, gibt es immer noch genügend Spielstätten, die wir noch nicht besucht haben. Eine dieser Lücken haben wir in der letzten Woche gefüllt und haben in der Park Avenue Armory das Tanzmusical Illinoise gesehen und gehört. Beides, Spielstätte und Stück, verdienen noch eine etwas genauere Betrachtung.

Von den alten Armorys, also Waffenkammern, gibt es in New York mindestens zwei. Eine dieser Trutzburgen habe ich bei einem Spaziergang durch Brooklyn schon einmal beäugt: hinter den dicken Toren verbergen sich heutzutage aber keine Waffen mehr, sondern Hanteln, Fitnessgeräte und ein Swimmingpool; der aktuelle Mieter ist nämlich ein YMCA. Die zweite Armory, die wir uns jetzt auch von innen angeschaut haben, liegt in der Upper Eastside in Manhattan an der Park Avenue und wird für Events und Aufführungen aller Art verwendet. Das 1861 erbaute, sehr massive Gebäude hatte von Beginn an mehrere Funktionen: Hier wurden nicht nur Waffen gelagert und trainiert (die riesige Trainingshalle („drill hall“)  wird heute genutzt für Bühne und Publikumstribünen), sondern es gab auch gesellschaftliche Events. Davon zeugen noch weitgehend original eingerichtete Bars und Clubräume mit dunkler Holzvertäfelung und schweren Ledermöbeln.

Doch wir haben leider keine Zeit für Drinks, sondern begeben uns jetzt direkt auf die Plätze, um Illinoise zu sehen und zu hören. Die Musik wird live auf einer Orchesterbühne gespielt und gesungen. Zu Gehör kommen dabei Songs von dem Album „Illinois“ von Sufjan Steven, das ich – offensichtlich im Unterschied zu Millionen Menschen weltweit – leider gar nicht kenne. Der Name des Albums ist aber Programm: Stevens hat in einem nicht ganz ernst gemeinten Versuch, alle 50 US-Staaten musikalisch darzustellen, immerhin Michigan und Illinois ein musikalisches Denkmal gesetzt. 

Passend zur Musik und den Originaltexten setzt eine Gruppe von rund zehn Tänzern die locker geflochtene Handlung, eine Geschichte vom Erwachsenwerden, erster Liebe und Abschied um. Schön anzusehen, auch angenehm zu hören, auch wenn ich nicht so sehr mitgerissen werde wie die Leute um mich herum, von denen offensichtlich nicht wenige nostalgische Gefühle entwickeln.

Aber vielleicht kennt Ihr die Musik ja, und wollt das Stück noch sehen? Ist möglich, wenn auch nicht mehr in der Armory – demnächst wechselt Illinoise wegen des großen Erfolgs an den Broadway.

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