Es gibt ja Leute, die sagen, je länger der Name, desto unbedeutender die Institution. Nach diesem Gesichtspunkt hätten wir uns vielleicht einen Besuch des National Museum of the African American History and Culture, kurz NMAAHC, sparen können. Tatsächlich war es das einzige Museum an der National Mall, das wir bei unserer Washington-Reise mehr als von außen angeschaut haben. Und es lohnt sich!
Schon von außen fällt das Gebäude in der Nähe des Washington Memorials und des Weißen Hauses auf durch seine dunkle Farbe, die Form, die einer dreistufigen Krone der Yoruba nachempfunden ist, und die durchlässige Fassade, ein Gewebe aus Metall. Entworfen von dem ghanaischstämmigen Designer Adjaye und dem Architekten Freelon wurde das Museum 2016 eröffnet und ist damit das neueste Haus unter den Smithsonian Museums.
Unter der spannenden Hülle befinden sich verschiedene Ausstellungen. Das Herzstück, die Ausstellung zur Geschichte der Afroamerikaner in Amerika beginnt unter der Erde und arbeitet sich chronologisch nach oben. Im ersten Teil werden beginnend im 15. Jahrhundert das Thema Sklaverei und Freiheit als konstituierende Merkmale der USA behandelt, und gezeigt, wie Europa, Afrika und Amerika durch den Sklavenhandel transformiert wurden. Eine interessante Erkenntnis für mich war, wie Sklaverei, die es ja vorher und an anderen Orten auch schon gab, mit dem Konzept von Whiteness und Blackness verbunden wurde. Und auch die in den USA so groß geschriebene Freiheit wurde musste immer wieder neu definiert und erarbeitet werden. Ein Beispiel hierfür ist die widersprüchliche Haltung Lincolns zur Sklaverei: Während er für das Ende der Sklaverei steht – das er möglicherweise auch aus militärischen und politischen Gründen befürwortete – sah er dennoch Schwarze und Weiße Amerikaner nicht als gleichwertig an.

Die Rolle der Black Americans für die Definition und Verteidigung der Freiheit steht dann auch im Mittelpunkt des zweiten Ausstellungsteils. Anhand von zahlreichen Dokumenten und Bildern zu zentralen Persönlichkeiten wird der Kampf um mehr Bürgerrechte in den Zeiten der Segregation (1876-1968) illustriert. So lernt man über Harriet Tubman, eine frühere Sklavin, die um die 70 Sklaven auf geheimen Routen in den Norden der USA transportierte; Rosa Parks, die im Bus auf einem für die Weißen bestimmten Platz im Bus sitzen blieb und festgenommen wurde, was zu dem über ein Jahr andauernden Montgomery Bus Boycott führte; Martin Luther King, der Bürgerrechtler, und viele mehr.
Bis wir uns zum ersten US-Präsidenten mit afrikanischen Wurzeln, Barack Obama durchgearbeitet hatten, waren schon ordentlich Zeit verstrichen, so dass uns die Kraft für die weiteren Ausstellungen in den Obergeschossen zu Kunst, Musik, Bühne, Sport, Militär und Gesellschaft etwas ausgegangen ist.
Nicht nur diesen Teil des NMAAHC, sondern auch die zahlreichen weiteren Museen auf der Mall haben wir für einen nächsten Besuch übrig gelassen.

Hinterlasse einen Kommentar