Eigentlich wollte ich heute mit einer Mediation zur laufenden Waschmaschine aufwarten. Besonders, wenn es draußen regnet, wie an den meisten Tagen dieser Woche, wenn es drinnen schummerig ist, die Maschine leise vor sich her brummt, drehen sich die Gedanken im Kreis wie die Wäsche hinter dem durchsichtigen Bullauge.
Eine Waschmaschine in der eigenen Wohnung zu haben, so sagt man mir, ist hier ein großes Privileg – habe mal kurz auf dem Wohnungssuchportal streateasy.com geschaut: Nur jede dritte der zur Zeit angebotenen Wohnungen in NYC hat eine eigene Maschine. Ich vermute mal, am unteren Ende der Preisskala dünnt es stark aus – wer die Dollars zusammenhalten muss, der wäscht seine Wäsche in einem der vielen Waschsalons, wo man tatsächlich noch mit Münzen seine Waschgänge bezahlen kann. Aber auch am oben offenen Ende der Skala (ich habe zum Beispiel gerade eine schöne 6-Zimmer-Wohnung für 125.000 $ gesehen) hat nicht jede Wohneinheit eine eigene Waschmaschine. Wozu Maschinen, wenn man auch Personal haben kann, das sich um alles kümmert? Außerdem sind in größeren Wohnhäusern, upper end oder middle class, „amenities“ – auf deutschem Immo-Speak „Ausstattungsmerkmale“ – vorhanden, die häufiger auch einen Waschraum umfassen; daneben, je nach Luxusklasse, Doorman, Gym, Pool, Valet Parking, Medienraum, you name it.
So bin ich von der Waschmaschine locker auf die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich gekommen, als – und hier beginnt das „aber“, das auf jedes „eigentlich“ folgt – plötzlich die Erde gebebt hat. Mitten in New York! Und für alle Gehaltsklassen gleichermaßen! Zum Glück war es ein kleineres Erdbeben (4,7 auf der nach oben offenen Richterskala, mit Epizentrum 80 km nordwestlich von NYC), so dass es nach gegenwärtigem Informationsstand weder in den Penthouse-Wohnungen noch in den Zelten der Obdachlosen größere Schäden gab.
Die New Yorker haben es mit Humor genommen: „earthquake or just a vibe shift?“ war eine der auf X gestellten Fragen. Auch dass die Warnung über das Cell Broadcasting ungefähr 45 Minuten nach dem Beben kam, trug zur allgemeinen Erheiterung bei. (Ob Berlin angesichts der mäßigen Ergebnisse bei Probealarmen allerdings in diesem Punkt zuletzt lachen kann, lasse ich mal dahingestellt.) Und so gehen wir, auf wackelndem Grund (tektonische Verschiebungen, Schere zwischen Arm und Reich, Politik) weiter unseren Alltagsgeschäften nach. Auch die Waschmaschine hat sich schließlich in ihren Runden nicht beirren lassen.

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