Vermutlich könnt Ihr es schon nicht mehr hören und sehen, aber trotzdem fange ich jetzt noch einmal mit Kirschblüten an. Während im Brooklyn Botanic Garden die Knospen der meisten Kirschbäume immer noch auf den großen Moment warten, stehen die Bäume vor dem benachbarten Brooklyn Museum in voller Blüte. Aber nicht nur dort – auch in dem Museum kann man die zarten Blüten, oder genauer vielleicht, die Wurzeln der Manie sehen.
Das Brooklyn Museum, von uns bisher schmählich vernachlässigt, obwohl wir fast täglich daran vorbeilaufen, ist mit seinen 52.000 m2 das zweitgrößte Museum von New York City und beherbergt Werke von zahlreichen namhaften Künstler:innen, darunter Mark Rothko, Edward Hopper, Judy Chicago oder Georgia O‘Keefe. Trotzdem steht und stand es in seiner bald zweihundertjährigen Geschichte wegen seiner B-Lage häufig im Schatten seiner Kollegen in Manhattan. Der heutige, (nach vorne) imposante Museumsbau wurde 1897 feierlich eröffnet, seitdem gab es, immer mal unterbrochen durch finanzielle Engpässe, zahlreiche An- und Umbauten.
Unseren ersten Besuch am Samstag haben wir im Rahmen des „First Saturday“ gewagt. Wie bei diesem in allen fünf Boroughs bewährten Konzept zur Ansprache weiterer Publikumskreise, wurden auch hier Party und Programm geboten; dazu viele sehr schick gekleidete und frisierte Museumsbesucher:innen, Wir hatten es allerdings ein wenig falsch geplant und zusätzlich zu den Museumstickets auch noch Konzertkarten für den Abend erworben. Daher wurde es für uns nur ein erster Blick ins Museumsinnere, und zwar auf die Sonderausstellung „Hiroshige‘s 100 Famous Vies of Edo“.
Die 100 Drucke wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals veröffentlicht und zeigen unterschiedliche Szenen aus Tokyo, damals „Edo“ genannt. Neben den Landschaftsbildern aus allen vier Jahreszeiten (und hier gab es natürlich immer wieder Kirschblüten, oder wie im heutigen Titelbild, Pflaumenblüten zu sehen), werden Straßenszenen gezeigt, die sich anhand der Beschriftung auch recht gut im heutigen Tokio lokalisieren lassen. Ein zweiter Teil der Ausstellung hat dann tatsächlich auch die alten Drucke mit modernen Fotos von denselben Orten kontrastiert. Zudem waren großformatige moderne Bilder von Takashi Murakami zu sehen, der die Motive der alten Hiroshige-Drucke auf die Leinwand gebracht hat. Hier in Brooklyn bei dieser Schau gar nicht thematisiert wurde dagegen Hiroshiges Einfluss auf Maler wie van Gogh oder Monet. Aber dazu gab es z.B. in Paris schon einmal eine Ausstellung, an die ich mich noch dumpf erinnern kann.
So haben wir also das Brooklyn Museum auf jeden Fall schon einmal kurz inspiziert und mit der Lust auf mehr verlassen!


Hinterlasse einen Kommentar