Als wir am vergangenen Sonntag sonnenhungrig und teedurstig mit der Subway zum Union Square gefahren sind, von dort aus aber gleich die Nebenstraßen aufgesucht haben, stach eines ins Auge: mindestens jede(r) Zweite hatte einen Strauß schon etwas herausgewachsener Tulpen in der Tasche. Eine riesige Feier, von der wir nichts wissen? Des Rätsels Lösung kamen wir erst näher, als wir uns in einem mittelcharmanten, dafür aber medienaffinen Teehaus niedergelassen und Dr. Google gefragt haben.
Tatsächlich war es eine Art Geburtstagsfeier, die da auf dem Union Square stattgefunden hat. Das niederländische Generalkonsulat und die niederländische Blumenzwiebel-Lobby namens Royal Anthos haben mit Unterstützung der Europäischen Union den sogenannten Tulip Day organisiert.
Der nicht allzu laut vorgetragene Anlass war des 400. Jahrestag der Ankunft der ersten niederländischen Siedler in Manhattan. Auf dem Platz war ein Feld mit über 200.000 Tulpen aufgebaut, von denen am Sonntag für ein paar Stunden jede:r nach entsprechender Anmeldung einen Strauß von zehn Exemplaren mitnehmen durfte.
Während die Tulpenaktion jetzt eine Charmeoffensive der Niederländer war, kamen diese vor 400 Jahren wohl vor Allem mit der Absicht, sich das zu nehmen, was sie als ihres betrachteten: Land. Ein paar Jahre vorher, nämlich 1609, hatte Henry Hudson, ein Engländer im Dienst der Dutch East India Company, auf der Suche nach einer Route nach Indien den heutigen Hudson River und die Insel Manhattan entdeckt. Nicht als erster (Amerigo Vespucci war auch schon mal vorbeigesegelt, und der Stamm der Lenape bewohnte das Land ohnehin schon), aber er unternahm die ersten Tauschgeschäfte mit den indigenen Einwohnern und legte damit den Grundstein für die Handelsbeziehungen.
1621 wurde die niederländische East India Company gegründet und 1624 trafen die ersten rund 30 Siedler, überwiegend wallonische Hugenotten, ein, um sich dauerhaft in der neuen Welt niederzulassen. Nach und nach wurde diese erste niederländische Kolonie in Amerika namens New Amsterdam aufgebaut und geschützt: 1625 wurde zur Befestigung das Fort Amsterdam errichtet. Auch die ersten Sklaven mit afrikanischen Wurzeln wurden bald erworben – von portugiesischen Piraten.
Im Jahr 1626 fand dann der wohl berühmteste „Deal“ der amerikanischen Geschichte statt. Peter Minuit, der Generaldirektor der Siedler handelte mit den Häuptlingen der ansässigen Indigenen einen Tausch von Land – die Insel Manhattan – gegen ein zwei Kisten von Waren im Gegenwert von, so will es die Folklore, $24 aus. Tatsächlich war es wohl mehr, aber trotzdem kein ganz sauberes Geschäft. Dass Tulpenzwiebeln im Paket waren, wage ich zu bezweifeln, schließlich sollten diese in den nächsten Jahren in Amsterdam geradezu unbezahlbar werden. Aber das ist eine andere Geschichte.


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