Die Orientierung in Manhattan fällt ja überwiegend leicht: die Straßen auf dem größten Teil der Insel, nämlich alles oberhalb der 14th Street, sind sehr regelmäßig angeordnet. Ignoriert man, dass Manhattan nicht genau von Süden nach Norden verläuft, sondern ein wenig geneigt ist, dann verlaufen die Avenues von Süd nach Nord und die Streets von West nach Ost. Weil zwischen den Avenues mehr Abstand ist als zwischen den Streets, sind die durch Anordnung entstehenden Blocks jeweils Rechtecke, die Avenues sind von Ost nach West durchnummeriert. Ein paar Abweichungen von der großen Regelmäßigkeit gibt es natürlich auch.
Doch bevor ich auf diese eingehe, gibt es noch ein paar Fragen zu klären. Wer hat das Gitternetz „erfunden“? Und wann und warum? Antworten auf diese Fragen weiß zum Beispiel das Museum of the City of New York, das reichhaltiges Material zu diesem Thema bietet (offensichtlich handelt es sich um Schulstoff, wie andernorts das Siebengebirge). Das zentrale Dokument für die Entwicklung der Stadt New York, die sich damals noch auf die Insel Manhattan beschränkte, war der „Commissioner’s Plan“ von 1811.
An Hochhäuser, Wolkenkratzer oder Super Talls hat zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch keiner gedacht; trotzdem nahm die Bevölkerung in einem Maße zu, dass die Stadtregierung etwas Ordnung in die Entwicklung bringen wollten.
Die Südspitze von zunächst New Amsterdam, später New York hatte sich recht organisch entwickelt. Man kann heute noch Pfade der Indigenen (Broadway), Handelswege (Beaver Street, Pearl Street) oder Befestigungen (Wall Street) an ihren Namen erkennen. Nach und nach entwickelte sich die Stadt weiter; neu erschlossene Gebiete, die vorher noch Eigentum einzelner Personen gewesen waren, hatten dabei häufig eine Rechteckstruktur – eine Form, die ja schon von den Römern oder Ägyptern verwendet worden war.
Aber der große Wurf, die einheitliche Planung des im wesentlich noch unbebauten Gebiets oberhalb der Houston Street bis zur 165 Street, gelang erst, als geodätisches Wissen, ökonomischer Druck und rechtlich bindende Durchsetzung zueinander kamen. Und das war Anfang des 19. Jahrhunderts der Fall, als die Stadtregierung einer Kommission mit der Planung beauftragte.
Das Gitternetz in dem Commissioner’s Plan ist heute weitgehend umgesetzt; es gibt aber ein paar Ausnahmen. Die größte ist der Central Park, der es erst ein halbes Jahrhundert später geplant wurde und wesentlich zur Lebensqualität beiträgt. Weitere Abweichungen: Auf der Upper East Side gibt es zusätzliche Avenues. (Vom Central Park bis zum East River überquert man 5th, Madison, Park (=4th), Lexington, 3rd, 2nd, 1st Avenues). Und auch eine 6 1/2-Ave, eine Abkürzung zumindest für Fußgänger, hat sich für ein paar Streets eingeschlichen. Und dann gibt es Superblocks wie Grand Central oder Lincoln Center, die einfach mehrere Blöcke umfassen.
Und jetzt dürft ihr loslaufen.


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