National Museum of the American Indian

National Museum of the American Indian

Ich weiß nicht mehr genau, welchem Entdecker es an diesem, heute New Yorker Teil der amerikanischen Küste zu kalt war, aber am Samstag konnte ich auf jeden Fall gut nachvollziehen, was er gemeint hat. So kalt und heftig blies der Wind, dass für mich Landratte und Mensch des 21. Jahrhunderts nur eines blieb: ins Museum gehen. Da hätten natürlich diejenigen gelacht, die schon vor Vespucci und Konsorten hier gelebt haben: die Ureinwohner Amerikas, um die es im National Museum of the American Indian geht.

Untergebracht ist dieses Museum das zu dem Smithsonian Institute gehört (einer Gruppe von öffentlich geförderten Museen zur Weiterbildung der Allgemeinheit), in dem Alexander Hamilton U.S. Custom House im Financial District. So imposant dieser von 1902 bis 1907 gebaute Klotz in unmittelbarer Nähe zum Hafen auch sein mag, ein wenig seltsam finde ich es schon, dass dieses Wahrzeichen von staatlicher und finanzieller Macht jetzt Ausstellungen zu den Ausgebeuteten enthält. Scheint aber niemand außer mir zu beschäftigen.

Die Besucherzahl hält sich trotz/wegen kostenlosen Eintritts, trotz/wegen des mäßigen Wetters und trotz/wegen des Inhalts in Grenzen, aber man kann in diesem Museum schon einmal vorbeischauen. Hat man sich erst einmal an – für deutsche Augen – seltsamen Plakaten vorbeigeschlängelt, die die Einsätze von Menschen aus indigenen Völkern in verschiedenen Militäreinsätzen würdigen, dann empfangen einen in der Ausstellung „Native New York“ gleich alte Bekannte: Die Erzählung vom Verkauf Manhattans für 24 Dollar. Aus Sicht der beteiligten Lenape stellt sich die Geschichte anders dar: sie gingen nicht davon aus, dass sie das von ihnen bewohnte Land verkaufen, sondern sie haben die Übergabe von Perlen, Tuch und Handelswaren als (zu wiederholendes) Geschenk für die gemeinsame Nutzung des Landes betrachtet. Das Konzept Eigentum von Land als solches kommt in ihrer Sicht auf die Welt nicht vor.

Diese und andere Geschichten über die vielen verschiedenen Stämme im Staat New York, über ihre Bräuche und Lebensweise kann man im ersten Ausstellungsteil sehen. Der zweite zeigt Kunstgegenstände und Handwerk der Indianervölker aus Nord und Südamerika, und im Untergeschoss gab es noch Werke von lebenden Künstler:innen. Letztere waren vielleicht nicht die crème de la crème, aber dafür bin ich bei der Zeitungslektüre am Abend noch auf einen passenden Hinweis gestoßen. Wenn Ihr in Europa auf der Suche nach Kunst indigener Amerikaner seid, dann könnt Ihr in diesem Jahr im dem US Pavillon auf der Biennale in Venedig vorbeischauen. Gestaltet wurde er von Jeffrey Gibson, der zu den Choctaw und Cherokee zählt.

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