Biennale

Biennale

Wenn Ihr glaubt, dass Ihr in Europa (und Venedig) die einzige Kunst-Biennale habt, dann muss ich Euch leider sagen: Natürlich hat New York seine eigene Biennale. Sie ist zwar nur die Veranstaltung eines einzelnen Museums, des Whitney Museums – aber was ist schon die Welt, im Vergleich zu einer Weltstadt?  Nun ja, ich höre jetzt besser mal auf mit Vergleichen, die die neue Welt blass aussehen lassen, und beschränke mich auf eine sachliche Darstellung der Tatsachen. Obwohl der Titel der Whitney Biennale 2024, „Even Better Than the Real Thing“ fast wie ein Kommentar zu diesem kleinen Schlagabtausch klingt.

Tatsächlich ist das zentrale Thema dieser neuen Ausstellung (20. März bis11. August 2024) die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Realitäten in Zeiten, in denen die Wahrheit durch Künstliche Intelligenz oder Debatten über sexuelle, ethnische oder religiöse Identität immer schwieriger zu identifizieren ist. Ein dickes Brett, was da von den Kurator:innen und den insgesamt 71 vertretenen Künstler:innen gebohrt wird.

Die ausgestellten Objekte reichen von Malerei über Collagen, Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien bis zu Filmen. Natürlich wirkt alles am besten, wenn man es selbst wahrnehmen kann. Aber als Appetithappen kann ich Euch trotzdem eine Sicht auf das das schon gefährlich schiefe Weiße Haus aus Erde (Kiyan Williams, Ruins of the Empire II or The Earth Swallows the Master’s House) geben. Oder die vier Daughters von Rose B. Simpson, die durch ihre Aufstellung eine gemeinsame Kraft entfalten. Oder eines der Bilder von Eamon Ore-Giron aus der Talking Shit Serie, in dem er sich mit alten peruanischen oder mexikanischen Gottheiten und deren sich wandelnder Wahrnehmung auseinandersetzt.

Auch bemerkenswert war ein Werk von Constantina Zavitsanos (Call to Post), in dem auf mehreren Ebenen mit den Grenzen der Wahrnehmung gespielt wurde: ein ganzer Raum war in ultraviolettes Licht getaucht, auf einer Wand wurden Kommunikationsfetzen festgehalten, die gleichzeitig dumpf zu hören waren, und auf einer Art Rampe konnte man die Schwingungen der Geräusche und der Menschen im Raum fühlen. 

Ich höre hier auf, aber kann nur empfehlen, einfach zwei Bienalen zu sehen. Und wenn es nicht „the real thing“ sein kann, dann hilft für das Whitney auch die gute Website (https://whitney.org/exhibitions/2024-biennial).

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