Dieser Post kommt ein bisschen spät – ich muss mich von meiner musikalischen Weltreise am gestrigen Tag oder, wenn ich es etwas weiter fasse, der letzten Woche erholen. Stationen waren Ukraine/Russland, China, USA, Österreich, Frankreich, eine Prise Südamerika war auch noch eingeschoben. Und munter durch rund einhundert Jahre Musikgeschichte ging es auch noch.
Richtig Ordnung in das Ganze bringen fällt schwer – allenfalls zeigt es die Bandbreite dessen, was man hier so erleben kann.
Das kürzeste, aber aus mehreren Gründen aufregendste war ein Lied, dass wir mit meinem derzeitigen Chor gesungen haben. Wenn man es genau nimmt, dann waren wir wohl nicht die Attraktion, sondern eher so eine Art Background Vocals und optische Untermalung. Aber nichts desto trotz mussten wir die Melodie und vor allem den chinesischen Text einstudieren. Dafür standen wir live auf der improvisierten Bühne des Chinese Language Day und haben mit und neben dem chinesischen Star Zhou Shen gesungen, der es auf Spotify immerhin auf über 20 Mio Zuhörer bringt. Und wenn die chinesischen Zuhörer auch nur sein Autogramm haben wollten – ich finde, wir sahen mit unseren Kostümen und Trachten aus aller Welt einfach schöner aus als er.
Keine Autogrammjäger:innen, aber doch (teilweise) begeisterte Applaus gab es für die Komponistin Olga Neuwirth im Lincoln Center. Ihr Werk „Keyframes for a Hippogriff“ für Countertenor, Chor und Orchester, das übrigens in der Berliner Philarmonie uraufgeführt wurde und vor unseren Ohren seine amerikanische Erstaufführung hatte, hat sich mir noch nicht wirklich erschlossen – vielleicht bin ich in 30 Jahren so weit. Dafür waren die 5. Symphonie von Prokofiev (geb. in der Ukraine, gestorben in Moskau) und ein Stück von Lili Boulanger sehr hörenswert.
Nicht ganz einig über die Qualität der Komposition waren wir uns bei dem Besuch der Met Opera am Abend davor. Dort wurde Terence Blanchards „Fire Shut Up in My Bones“ aufgeführt – ebenfalls ein zeitgenössisches Werk von dem ersten Black American, der es als Komponist an die Met geschafft hat. Der Stoff war nicht gerade leicht: Gewalt, Missbrauch, Armut, aber auch das klassische Opernthema Liebe wurden optisch ansprechend auf die Bühne gebracht. Die Musik hat meine Begleiter:innen nicht von den unbequemen Stühlen gerissen. Ich fand die Oper dagegen durchaus sehens- und hörenswert, wenn aus nicht so eingängig, dass ich mit einer Melodie in den Ohren den Saal verlassen hätte.
Aber das große Haus der Musik hat viele Räume.
Einen weiteren hat eine Jazz-Aufführung am letzten Wochenende noch aufgeschlossen. Im Rahmen der Lincoln Jazz-Serie Journey through Jazz wurde der Einfluss südamerikanischer Rhythmen gezeigt.


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