Diesmal habe ich eine Buchempfehlung, die nichts mit New York zu tun hat, aber immerhin von einem gebürtigen New Yorker, James Mc Bride, geschrieben wurde. Der 2023 erschienene Roman spielt in Pottstown, einer kleinen Stadt in Pennsylvania, und eröffnet mit einer Szene im Jahr 1972. Bei Bauarbeiten wird in einem Brunnenschacht ein Skelett gefunden, außerdem eine Mesusah, ein Schmuckstück, das üblicherweise an Türpfosten jüdischer Häuser zu finden ist. Doch bevor die Polizisten mit Hilfe eines alten Juden das Geheimnis hinter diesen Funden lüften kann, fegen ein Hurricane und eine Überschwemmung Skelett, Baustelle und die gesamte Stadt hinweg.
Die eigentliche Handlung spielt in der 1930er Jahren, und nach und nach kommen die Leser den Ereignissen auf die Spur, die zu dem vermeintlichen Mord geführt haben. Doch die Geschichte ist weit mehr ist als ein Krimi. Vielmehr wird ein Portrait der Stadt Pottstown gezeichnet, und zwar überwiegend des armen Teils, der gerade so über die Runden kommt. Auf dem Chicken Hill wohnen nämlich Schwarze und Juden, zudem ein paar andere Immigranten.
Ein Ort, an dem viele dieser Menschen ein und aus gehen, ist der Heaven & Earth Grocery Store, der der warmherzigen, gehbehinderten Jüdin Chona gehört. Ihr Mann Moshe betreibt auch noch ein Theater und wird dabei von dem verschlossenen, aber loyalen Schwarzen Nat und seiner Frau Addie unterstützt.
Als diese beiden einen taubstummen Jungen in ihre Obhut nehmen und verhindern wollen, dass die bigotten weißen Stadthonoratioren, der Arzt (Doc) und ein Polizist, ihn in eine Anstalt für geistig Behinderte einweisen wollen, zeigt sich, was wahren gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmacht.
McBrides Blick zeichnet die armen Menschen mit Humor und Wärme, ohne dabei ihre Schwächen und kleinen Tricksereien auszublenden. Ebenso entlarvt er die Falschheit der vermeintlich Überlegenen. So erzählt Doc, dass seine Vorfahren mit der Mayflower angekommen sind, dabei ist er der Nachkomme irgendeines trunksüchtigen Matrosen auf einem unbedeutenden Handelsschiff. Und selbst ist er Mitglied des Ku Klux Klan…
Ein sehr unterhaltsames, aber auch tiefgründiges Buch über die bunt gemischte amerikanische Gesellschaft.

Hinterlasse einen Kommentar