Harlem Renaissance

Harlem Renaissance

„Harlem Renaissance“ ist ein breiter Mantel, unter den viele kulturelle Strömungen gefasst werden, die zwischen den beiden Weltkriegen weit über Harlem und auch über die USA hinaus entstanden. Gemeinsame Merkmale dieser früher auch als „New Negro“ bezeichneten Bewegung sind die Rückbesinnung auf die afrikanischen Wurzeln und ein neues Selbstbewusstsein der Afroamerikanischer:innen, die über Kunst, Musik und Literatur ihren eigenen Platz in der amerikanischen Geschichte und Gesellschaft beanspruchten. Harlem mit seinen vielen Bars, Lokalen und Theatern war dabei so etwas wie das Epizentrum (oder der Prenzlauer Berg kurz nach der Wiedervereinigung).

In der Musik wurde Jazz in der Black community, aber auch weit darüber hinaus als neue Ausdrucksform gefeiert. Entertainer wie Duke Ellington oder auch die Sängerin und Tänzerin Josephine Baker stehen hier für die Zeit. Der schwarze Schriftsteller und Philosoph Alain Locke war ein wichtiger Vordenker der gesamten Bewegung; in der Literatur ist der Dichter Langston Hughes einen Hinweis wert – sein Gedicht Harlem liest sich wie eine wunderbare Zusammenfassung der Harlem Renaissance. Und auch in den bildenden Künsten und der Malerei manifestierte sich die Bewegung.

Diesen Aspekt greift die Ausstellung „The Harlem Renaissance and Transatlantic Modernism“ im Metropolitan Museum auf. In einer nicht allzu großen, aber sehenswerten Ausstellung werden die afroamerikanischen Künstler:innen gegenübergestellt mit europäischen Zeitgenossen Matisse und Picasso, die in einigen ihrer Gemälde auch „people of color“ als Sujets wählten. Wichtiger als dieser Aspekt sind aber die Bilder der Black Americans. In Portraits von berühmten Vertreter:innen der Harlem Renaissance und anderer Personen rückten sie endlich ihre eigene Gruppe in den Mittelgrund – hier z.B. im Selbstportrait „Smoking my Pipe“ von Samuel Joseph Brown.

Auch der Alltag der Afroamerikaner:innen in den Städten wird in den Bildern dargestellt, sowohl die bürgerliche Seite zeigt („Street Life“ von William H. Johnson, mit einem herausgeputzten Paar in Harlem), als auch zwielichtige Spielsalons, Kartenspieler oder Jugendliche auf der Straße. Leider auch schon damals war die Polizeigewalt ein Thema (William Johnson, „Moon over Harlem“).

Auch Paris und das dortige Nachtleben findet sich in einigen Werken wieder; mehrere der ausgestellten Künstler haben dort gelebt und studiert – nur in die großen Ausstellungen haben sie es nicht geschafft. Es wird also Zeit, dass die Harlem Renaissance zumindest hier im MET mal ihre große Bühne hat!

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