Frühling scheint nach empirischer Evidenz die attraktivste Reisezeit für NYC zu sein. Auf jeden Fall geben sich bei uns Freunde aus diversen B-Städten zur Zeit die Klinke in die Hand. Und wir haben das Vergnügen, New York und Manhattan von seinen schönsten Seiten zu zeigen (und ja, mit frischem Grün, blühenden Bäumen und Sonnenschein ist es schon nett hier). Brooklyn Bridge, Brooklyn Heights, Dumbo, Williamsburg, Fahrten auf dem East River, Spaziergänge durch den Central Park, die Highline oder Fahrradtouren am Hudson – das sind so ein paar offensichtliche Highlights, die wir in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder besuchen. Daneben gibt es Zeit und Raum, Neues zu entdecken oder auszuprobieren.
Oder endlich einmal herauszufinden, was es mit ein paar obskuren Beobachtungen so auf sich hat. Eines dieser faszinierenden Phänomene ist aus dem Boden oder rot-weiß gestreiften Schläuchen aufsteigender Dampf. Dieses in verschiedenen Filmszenen festgehaltene Motiv habe ich bei früheren New York-Besuchen schon begeistert fotografiert. Inzwischen fällt es mir allerdings kaum noch auf. Neulich gab es aber einmal einen NY Times-Artikel, der erklärt hat, dass die Zylinder und der aufsteigende Dampf Teil des über 100 Jahre alten unterirdischen Versorgungsystems sind, mit dem das Unternehmen Consolidated Edison Wärme, Kälte und andere Dienste, wie z.B. Reinigung in den Hochhäusern von Manhattan ermöglicht. Alt und unterirdisch also, aber kein Teufelszeug.
Auch oberirdisch gibt es ein paar Gebäude, über die man sich zumindest wundern kann. Sie stehen zumeist am Ufer oder im Wasser, sind von begrenzter Schönheit und haben Schlitze anstelle von Fenstern. Wer die Schönheit des Hudson-Ufers oder des Governors Islands auf seinen Urlaubsfotos dokumentieren will, der vermeidet sie lieber. Auch diese Klötze ent- und belüften die Unterwelt, genauer die Auto-Tunnel, die Manhattan mit New Jersey oder Brooklyn verbinden.
Noch seltsamer ist aber ein fensterloses Hochhaus im TriBeCa. In prominenter Geschäfts- und Wohnlage steht hier ein brutalistischer Bau aus dem Jahr 1974, der Anlass zu diversen Verschwörungstheorien gegeben hat und zumindest schon als Kulisse für (satirische) Filme über Verschwörungen gedient hat. Tatsächlich ist dieser „skyscraper for machines“ in der 33 Thomas Street ein Schaltzentrum für Telefonleitungen und Datenspeicher.
Sollte also jemand mal zufällig auf der Suche nach einem Bild für Serverräume sein, dürfte dies eine interessante, wenn auch erläuterungsbedürftige Option sein. Der gemeine Tourist darf sich kurz wundern und dann wieder andere Sehenswürdigkeiten betrachten.


Hinterlasse einen Kommentar