New York Cheesecake

New York Cheesecake

Ich bin mir nicht ganz sicher, wo es mehr NY Cheesecake gibt – in New York oder in Berlin. Und wo es den besseren gibt? In so gefährliches Fahrwasser möchte ich mich eigentlich nicht begeben. Dennoch: ein New York Blog ohne Cheesecake ist Käse. Und dies umso mehr, wenn der angeblich berühmteste NY Cheesecake seine Heimat in Brooklyn hat.

In blindem Lokalpatriotismus vertraue ich nämlich auf das, was Junior’s mir auf seiner Website versichert, aber langansässige Deutsch-New Yorker auch schon bestätigt haben: Der beste NY Cheesecake wird in Downtown Brooklyn bei Junior’s gebacken und verkauft. Was das Traditionslokal, ein echter amerikanischer Diner, übrigens nicht für sich beansprucht, ist die Erfindung des NY Cheesecake. Da stellt man sich doch lieber in eine Tradition, die mit den alten Griechen anfängt und über England in die neue Welt exportiert wurde – Philadelphia hatte angeblich schon 1730 eine Cheesecake House Tavern. Dies passt immerhin dazu, dass die Hauptzutat des amerikanischen Käsekuchens in Deutschland mit dem Städtenamen gleichgesetzt wird. 

In der Tat war es die Innovation bei den Milchprodukten, die aus dem einfachen Käsekuchen den NY Cheesecake gemacht hat: Cream cheese statt Quark oder Ricotta muss es sein. Richtig populär wurde das Backwerk aber erst, als im beginnenden 20. Jahrhundert (gleichzeitig mit dem Jazz-Age, der Harlem Renaissance und Wirtschaftsboom) auch die Chemie weiterentwickelt wurde: Stabilisatoren erhalten die cremige Konsistenz auch beim Backen. Die Rezeptur für den ersten wahren New York Cheesecake soll von deutsch-jüdischen Einwanderern erfunden worden sein. 

Ob Junior‘s Cheesecake wirklich am besten schmeckt, kann ich gar nicht sagen. So viel Käsekuchen habe ich hier nämlich gar nicht gegessen. Ein bisschen ist‘s mit dem Käsekuchen wie mit den Fritten bei Antoine: Man macht es hauptsächlich, wenn Gäste da sind. Dann aber gehen wir immer wieder gerne zu unserem Junior‘s in Brooklyn. Es gibt nämlich auch noch eine biblische Dimension der Firmengeschichte: Der Diner in mitten in Brooklyn Downtown wäre 2014 beinahe einmal dem Immobilienboom zum Opfer gefallen. Allerdings hat der Eigentümer in dritter Generation, Alan Rosen, allen Versuchungen widerstanden und ein Angebot über 45 Millionen Dollar ausgeschlagen, um seinen Laden und Restaurant am Standort zu erhalten. So eine David gegen Goliath-Geschichte beeindruckt doch. Und wir kaufen gerne das nächste Stück Kuchen.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn