Während an der Columbia University etwas nördlich vom Central Park die Studierenden zu Protestierenden geworden sind und die Revolution proben, fügen sich ein paar Straßen weiter südlich die Nachwuchskünstler:innen an der Julliard School ins strenge Regiment ihrer Lehrer und Dirigenten ein. Revolutionsversuche gibt es an diesem Mittwoch nur auf der Bühne, und zwar in der Oper La Clemenza di Tito von Mozart.
Was für die Musikstudent:innen Teil der Ausbildung ist, ist für das Publikum im Peter Jay Theater der Julliard School reiner Genuss. Die durchgehend jungen Musiker:innen des Julliard Orchesters, des Chores, sowie die Solist:innen sind allesamt in Undergraduate- oder Masterprogrammen, aber beherrschen ihre Kunst aus dem ff. Wer an diese Hochschule aufgenommen wird, der hat einen harten Aufnahmetest bestanden und im Zweifel schon seit Kindesbeinen Musik gemacht. Musikalisch muss diese Aufführung daher mit der benachbarten MET Opera den Vergleich nicht scheuen – und wer weiß, vielleicht wird man Lucy Joy Altus (Annio) , Ruby Dibble (Sesto), Evelyn Saavedra (Vitellia) und Andrew Turner (Tito) demnächst auf der Schwesterbühne oder in anderen Opernhäusern der Welt hören und sehen können.
Das Publikum (mit vielleicht noch ein paar mehr Groupies als anderenorts) war auf jeden Fall sehr angetan von dieser Aufführung von La Clemenza di Tito. Dieses Glück war Wolfgang Amadeus Mozart bei der Premiere 1791 nicht beschieden. Revolution lag auch in Europa in der Luft, als Mozart den Auftrag für eine Oper anlässlich der feierlichen Krönung von Kaisers Leopold II zum Böhmischen König annahm. Mit dem Stoff über den gütigen Herrscher Tito, der sich um seine Untertanen kümmert und seinen Feinden verzeiht, sollte dem König gehuldigt werden. Aber die Königin, so wird kolportiert, fand das Werk langweilig. Nach und nach wurde die Oper aber doch geschätzt, auch wenn Mozart nicht mehr nicht mehr viel davon mitbekommen haben dürfte; er starb nur drei Monate nach der Uraufführung.
Die jetzige Inszenierung an der Julliard School hat die Werkgeschichte zumindest angedeutet; die Bühne war eingerahmt von Huldigungen an das böhmische Königspaar. Und auch die Botschaften für die heutige Politik wurden herausgearbeitet: Es ist nicht leicht, gerecht und gut zu regieren.

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