Puzzle

Puzzle

Bleiben wir doch noch ein wenig bei den Spielen. Ein neues kleines Nebenhobby habe ich in der wie so vieles in der New York Public Library entdeckt. In dem modernen Gebäude an der Fifth Avenue ist nämlich im Eingangsbereich ein riesiger Tisch, auf dem immer ein paar Bücher zum aktuellen Thema des Monats (Women’s History Month, Arab American History Month, Black American History Month, usw.) ausgestellt sind. Daneben sind immer mindestens zwei Puzzles ausgelegt und laden Bibliotheksbesucher ein, aktiv zu werden – alleine oder mit anderen Menschen, mit denen man ein wenig plaudern oder schweigend an einem gemeinsamen Ziel arbeiten kann.

Die Motive der Puzzles sind so unterschiedlich wie das Buchangebot; von heimischen Vogelarten über hässliche Teekannen, über Fotografien des Lesesaals der New York Library bis zu Bildern von Klimt war schon alles, naja, fast alles dabei, was man sich vorstellen kann. Aber um das fertige Bild geht es ja eigentlich gar nicht so sehr. Der Kick ergibt sich ja schon, wenn man irgendwo ein paar Teile zusammenfügen kann. Und noch eins passt dazu! Und noch eins… Ein nicht völlig zu vernachlässigendes Suchtpotenzial hat dieses völlig analoge Spiel also auch.

Aber man kann auch etwas lernen. Bei dem hier abgebildetes New York Puzzle zum Beispiel über die Harlem Renaissance sind zum Beispiel Josephine Baker, Duke Ellington oder Louis Armstrong zu entdecken. Auch die Strivers’ Row oder das Appollo Theater kann man Stück für Stück zusammensetzen und dabei über New York, seine Geschichte und Bewohner nachdenken. 

Überhaupt, das Puzzle als Metapher für das Leben: Eigentlich fühle ich mich das ganze Jahr wie in einem großen Puzzle. Immer wieder gibt es im Alltag Einzelteile, die auf erstaunliche Weise zusammenpassen. Amerikanische (Nach)Lässigkeit in Umweltfragen? Es gibt eben immer noch viel kaum berührte Natur. Plastikkleidung statt Baumwolle? Vielleicht auch deshalb, weil Baumwolle nach Sklavenarbeit und Unterdrückung riecht. Die Dimensionen und Beziehungen einzelner Teile muss man immer wieder neu sortieren, bis sich ein größeres Bild ergibt.

Mal sehen, welche Teilchen mir demnächst noch begegnen.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn