Werbung für New York als Reiseziel zu machen, scheint aus heutiger Sicht ein überflüssiges Unterfangen. Die Welt kommt sowieso hierher – wir können das aus eigener Erfahrung bestätigen. Es gibt ja auch wahrhaftig viel zu sehen. Architektur, Kunst, Kultur, Musik – alles, was Rang und Namen hat, trifft sich in New York und zieht dadurch wieder neues Publikum an. Durch Immigranten aus aller Welt, gibt es auch Beziehungen in alle Welt, und die neuen oder nicht mehr ganz so neuen New Yorker freuen sich, wenn Freunde oder Verwandte aus den Herkunftsländern mal einen Besuch abstatten.
Trotzdem: es gab offensichtlich mal Zeiten, in denen für das Reisen an sich und das Reisen in Stadt New York die Werbetrommel gerührt wurde. Den Beleg dafür haben wir uns in einem kleineren der insgesamt 200 Museen angeschaut, dem so genannten Poster House. Dieses noch jüngere Museum – seine Pforten hat es 2015 eröffnet – hat sich der Sammlung und Ausstellung von Postern als eigener Form zwischen Kunst und Design verschrieben.
Die größte von drei aktuellen Ausstellungen trägt den Titel „Wonder City of the World – New York City – Travel Posters“, womit eigentlich fast alles Wesentliche schon gesagt ist. Die ausgestellten Poster stammen ganz überwiegend aus dem 20. Jahrhundert, wenige sind nach der Jahrtausendwende entstanden. Vor allem Schiff- und später Fluggesellschaften haben das Medium Poster genutzt, um auf die Stadt der Städte (sorry, Rome!) aufmerksam zu machen. Abhängig von Auftraggeber, Zeitgeist und Geschmack wurden dabei Aspekte wie Reisemittel, Attraktionen (Freiheitsstatue, Empire State Building), romantische Orte oder anderes in den Mittelpunkt gerückt.
Manche Plakate haben tatsächlich eine gewisse Berühmtheit erlangt. Die Darstellung des Times Square durch bunte geometrische Formen und ein paar Sterne auf dem TWA-Poster zum Beispiel (hier leider mit Spiegelung wiedergegeben) hatte ich zumindest schon einmal gesehen. Manchmal ist Kunst eben besser als das Original.
Das Poster House zeigt aber nicht nur New York Poster, sondern greift auch andere Themen auf; zur Zeit etwa Filmplakate oder Warnungen vor der Umwelt- und Klimakrise. Das zentral gelegene Museum in der Nähe des Flatiron Building ist einen Abstecher wert; Freitags ist der Eintritt sogar frei.
Und einen kleinen Nachklapp zu den New York Postern habe ich noch: Aktuelle Werbeplakate zu New York gibt es in der Ausstellung und der Welt wohl nicht mehr. Neben zwei einschneidenden Ereignissen, 9/11 und Corona, die dem Tourismus gehörige Dämpfer verpasst haben, sind es die sozialen Medien, die inzwischen die Posterproduktion überflüssig gemacht haben (Sorry, New York!).


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