Kein New York Roman im engeren Sinne, obwohl ein Teil seiner Charaktere dort lebt, ist „Hello Beautiful“ von Ann Napolitano. (Immerhin, die Autorin lebt in Brooklyn, was als Bezugspunkt für diesen Blog allemal reicht.) Ein Chicago-Roman ist es auch nicht, obwohl der überwiegende Teil der Handlung dort stattfindet, und die Prise Florida (klassisch, als Rückzugsort für die ältere Generation) ist auch nicht nennenswert.
Wenn Orte in diesem New York Times Bestseller nicht das zentrale Elemente sind, dann sind es die sich wandelnden und gleichbleibenden Familienbeziehungen, die im Mittelpunkt stehen. Erzählt wird die Geschichte der vier Padavano Schwestern, die zu Beginn der Handlung um 1980 herum an der Schwelle zum Erwachsensein stehen. Ihr Umgang mit einander, mit den Eltern, Partnern und Kindern bestimmt die Geschichte, die abwechselnd mit Focus auf drei, später vier Personen erzählt wird.
Wenn ich die Handlung nur anteasern, aber nicht alles verraten will, dann klingt es irgendwie so: William, ein scheuer, introvertierter College-Student und Basketballspieler lernt Julia kennen, einen wahren Wirbelwind von Ambitionen und Plänen. Sie führt ihn in das trubelige Familienleben der Pavadanos ein, das sich von seinem eigenen radikal unterscheidet. Doch während William mit und trotz seiner dunklen Seiten in die Familie hineinwächst, entstehen neue Unterschiede zwischen den Partnern und zwischen den vier Schwestern.
Wer aufgrund des Titels, des Titelbildes oder auch des Klappentextes („a story about love and grief“) eine einfache Romanze erwartet, wird enttäuscht. Auch eine klassische Dreiecksgeschichte, die sich am Schluss irgendwie fügt, hat Napolitano nicht zu Papier gebracht. Und stilistisch habe ich schon Aufregenderes gelesen; die kurzen, eher einfachen Sätze wirken auf mich manchmal etwas monoton. Was das Werk aber auf jeden Fall auszeichnet und auch den Platz in den Bestsellerlisten rechtfertigt, ist die sehr gelungene Auseinandersetzung damit, wie Herkunft, Familie, Schicksalsschläge die Menschen formen, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. A good read.

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