Vorbei kommt man nicht an ihr. Sie ist zu sehen an öffentlichen Gebäuden, in privaten Vorgärten, auf Subway-Zügen, vor und in Museen, in Sportstätten. Natürlich vor der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen. Auf Wahlveranstaltungen. Oder vor Hotels. Sogar auf Müllautos ist sie mir begegnet. Mal rüttelt sie energisch an einer Stange, mal lässt sie sich einfach hängen. Mal kommt sie verwaschen, verblichen oder zerzaust daher, meistens aber präsentiert sie sich stolz und strahlend. Und des Nachts angestrahlt. So will es nämlich das Gesetz.
§§ 1-10 des U.S. Code, umgangssprachlich als „Flag Code“ enthält in § 6 zur nächtlichen Beleuchtung der US-Flagge die Vorschrift „It is the universal custom to display the flag only from sunrise to sunset on buildings and on stationary flagstaffs in the open. However, when a patriotic effect is desired, the flag may be displayed 24 hours a day if properly illuminated during the hours of darkness.“
Des Weiteren regelt der Flag Code ein paar noch grundsätzlichere Aspekte des Aussehens der US-Flagge und des Umgangs mit dem nationalen Symbol. Sie besteht aus sieben roten und sechs weißen Streifen für die 13 Kolonien, die die Vereinigten Staaten gegründet haben, und einem blauen Rechteck, in dem die 50 Sterne die Union der 50 Staaten repräsentieren.
Vorgeschrieben wird auch, wann und wie die Flagge zu hissen ist, wie sie in Prozessionen oder auf Fahrzeugen zu verwenden ist. Und: Die Flagge sollte niemals als Bekleidung, Bettwäsche oder Gardine verwendet werden oder auf Wegwerfartikeln erscheinen.
Harte Konsequenzen haben Verstöße gegen den Flag Code aber offensichtlich nicht (s. Müllauto). Vielleicht auch, weil trotz allem ist ein gewisser lässiger Respekt, vielleicht auch eine Art Zuneigung zu dem „Star-Spangled Banner“ zu spüren ist, wenn auch nicht bei allen. Zu der Frage, ob Gesetze der Bundesstaaten verbale Beschimpfungen der Flagge verbieten dürfen, gab es schon Gerichtsurteile, die der freien Meinungsäußerung den Vorrang über solche Verbote gegeben haben.
Unter freie Meinungsäußerung oder Kunstfreiheit fallen wohl auch die Flaggen-Bilder von Jasper Johns, die in unter anderem in verschiedenen New Yorker Museen ausgestellt werden. Aus touristischer Perspektive handelt es sich um dankbare Fotomotive. Aus künstlerischer Perspektive sind seine Flaggen-Bilder wie auch die Karten ein Spiel mit Symbolen, ein Hinterfragen wo Flaggen auf der Skala zwischen Gebrauchsgegenstand und Heiligtum stehen, was eigentlich repräsentiert wird. Für mich (besonders als Deutsche, vor-Sommermärchen-Geborene?), mehr als 50 Jahr nach Entstehung der Bilder immer noch offene Fragen.




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