Die Macht der Worte

Die Macht der Worte

Wer glaubt, dass ich mich durch ein bisschen selbstgemachte Kapitalismuskritik von meinem schnurgeraden Museumskurs abbringen ließe, der kennt mich schlecht. Natürlich habe ich gleich gestern wieder geschaut, was aktuell so mit den Guggenheim-Dollars angestellt wird.

Und wie so oft: Sie gehen an freiheitsliebende, selbstbewusste, politik- und/oder gesellschaftskritische Künstler:innen und an Streetdancer, die der Establishment-Treue nicht allzu verdächtig sind. Richtig geraten – ich war auf der nächsten Rotunda Dance Party im Guggenheim-Museum. Diesmal war LayeRythmx auf dem Dancefloor und hat zur eigenen Live-Band und auf Zuruf („Wellen“, „Gehen“, „Umarmung“) oder zu vom Publikum vorgegebenen Gesten oder Tempoansagen getanzt. Nach den Profis, die mal wieder ein beeindruckendes Bewegungsrepertoire gezeigt haben, gab es den Tanz-Animateur, der alle zum Mitmachen angeregt hat. Auch wir waren dabei; erst bei den Schritten, die hier irgendwie fast alle zu kennen scheinen, wurde es schwieriger.

Während der ausgelassenen Tanzparty lief in der Rotunde die ganze Zeit über ein Teil der (ernsten) Kunstausstellung weiter. Die Rotunde war nämlich von unten bis oben mit einem LED-Schriftband versehen, das von Jenny Holzer speziell für das Guggenheim Museum New York erstellt wurde. Darauf abgespielt wurden in unterschiedlichen Farben, Schrifttypen und Geschwindigkeiten Aphorismen, Aussagen zu Liebe, Beziehungen, Tod und vieles mehr. Worte und Texte sind tatsächlich das Hauptmedium der US-amerikanische Konzeptkünstlerin, die auch schon die Neue Nationalgalerie mit ihren Schriftzügen versehen hat. Sie projiziert sie auf Gebäude, meißelt sie in Steine oder presst sie in Metallplatten und rückt dabei die Bedeutung der Worte in ein neues Licht.

Zum Beispiel verwendet sie literarische Texte, Auszüge aus e-Mail Konversationen zu den Foltermethoden in irakischen Gefängnissen oder presst die Flut von Tweets von Donald Trump (hier der cofveve-Klassiker) auf Blech.

So, und jetzt ist Schluss. Ich muss noch einen Koffer packen – morgen geht es Richtung Süden.

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn