Ich sitze gerade morgens um kurz nach sechs Uhr bei 24° Celsius Außentemperatur am Hotelpool und muss für mich und Euch mal ein wenig Geographie und Geschichte nacharbeiten. New Orleans liegt auf dem 29. Breitengrad, so nah am Äquator, dass in Europa da keine Stadt mehr mithalten kann. Kairo (wo ich noch nicht war) wäre der nächste Vergleichspunkt; in Bezug auf das Klima kommt das wahrscheinlich aber nicht hin. Hier ist es im Sommer feucht und warm, die Winter sind kurz und windig; die Stadt an der Mississippi-Mündung wird regelmäßig von Hurricanes heimgesucht. In schlechter Erinnerung ist hier immer noch der Hurricane Katrina, der im August 2005 über die Stadt hergefegt ist und fast 1400 Menschen das Leben gekostet hat. Ein besonderes Problem waren dabei die Überschwemmungen, die den Großteil der Stadt getroffen hat. Das bewohnte Gebiet liegt teilweise unterhalb des umgebenden Wassers, zu dem nicht nur der Mississippi gehört, sondern auch der Lake Pontchartrain, ein mit dem Golf von Mexiko verbundener großer Salzwassersee. Wenn, wie bei Katrina, die Dämme nicht halten, dann wird es schwierig.
Ein wenig über Wirbelstürme und die Sumpflandschaft konnten wir gestern bei einem Ausflug in die Swamps lernen. Mit einem Bus sind wir eine Dreiviertelstunde nach Süden in das Missisippi-Delta gefahren – auf breiten Straßen, die irgendwann im Grünen Nichts enden. Stimmt nicht ganz; auch in dem sumpfigen Gebiet wohnen Menschen. Am Wegrand sah man immer wieder Häuser, die entweder auf Stelzen oder künstlichen Hügeln errichtet waren. Und natürlich gibt es die Anlegestelle für die Bootstouren der Touristen, die hier Flora und Fauna erkunden wollen, bevor das gesamte Gebiet im Meer versinkt.
Erwartungsgemäß hielt sich wissenschaftliche Anspruch der Tour in Grenzen. Aber man konnte auf den größeren und kleineren Wasserwegen die Ausdehnung der Sumpflandschaft ein wenig erahnen. An den Ufern waren viele Büsche, Palmen und andere Bäume zu sehen. Letztere waren oft mit dem „Spanish Moss“ behängt (das nach meinem Übersetzungsprogramm auf Deutsch den Namen Dschungelmoos oder Louisianamoos trägt). Die Hauptattraktion waren allerdings die Alligatoren, die sich offensichtlich schon recht gut mit den menschlichen Eindringlingen arrangiert haben. Sie tauchten nämlich immer wieder am Bootrand auf, um sich von unserem Guide mit auf einer langen Stange aufgespießten Marshmellows (sic!) füttern zu lassen. Ob das so das Wahre ist? Ich lasse die Frage jetzt mal so stehen und schreite zu meinem amerikanischen Frühstück mit Waffel und Ahornsirup…
Und die zahlreichen liegengebliebenen Themen (spanisch-französische Geschichte), Louisiana-Stiefel vs. italienischer Stiefel) u.v.m. müssen wohl warten.


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