Heute also ein paar Worte zu Charleston, der letzten und möglicherweise schönsten Station unserer Reise in die Südstaaten. Natürlich haben wir immer nur den eingeschränkten touristischen Blick auf die Stadtzentren und nicht unbedingt die Gebiete, wo die Dame an der Hotelrezeption oder der Mann an der Tankstelle wohnt. Aber trotzdem: Das historische Zentrum von Charleston ist proper. Kleine, zwei oder dreistöckige Steinhäuser mit vielen schönen Details, viele gepflegte Blumenkästen, Straßenbäume, die Schatten spenden, eine Reihe von Kirchen mit zumeist sehr spitzen Türmen. Auch die Schaufenster auf der King Street sind herausgeputzt; Restaurants locken mit überdachten „Patios“, Gallerien bieten farbenfrohe Werke zum Verkauf an… Man sieht, dass Charleston keine arme Stadt ist.








Heute, so weiß es Wikipedia, hat das gut 150.000 Einwohner zählende Städtchen als Einnahmequellen neben dem Tourismus einen florierenden Hafen und eine im Aufsteigen begriffene IT-Branche (auch wenn „Silicon Harbor“ wohl doch ein recht steiler Vergleich ist). Der frühere Reichtum – viele der schönen Häuser und Kirchen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert – hat seinen Ursprung auch im Handel. Ähnlich wie Manhattan liegt Charleston etwas hinter der Küstenlinie an einer natürlichen Bucht und ist von drei Seiten von Wasser umgeben. Wegen der günstigen Lage zählte der Hafen zu den fünf größten auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Doch wie so oft – ein Blick hinter die Fassaden deckt so manches auf, was nicht ganz so schön ist. Neben Holz, Tabak, Reis, Baumwolle und Indigo war die hauptsächlich gehandelte „Ware“, so hat man es damals betrachtet, Menschen. Waren es zunächst Siedler, die ihre Sklaven mit in die Kolonie South Carolina brachten, so florierte bald der Handel mit versklavten Menschen, die unmittelbar aus Afrika kamen – ein Teil des großen interkontinentalen Dreieckshandels, in dem natürlich auch die Europäer kräftig mitgemischt haben. Doch auch später, als der Import von Sklaven schon verboten war, war Charleston noch ein zentraler Umschlagplatz für die auf den Plantagen und in den Herrenhäusern dringend benötigten Arbeitskräfte.
Lernen kann man über diesen Aspekt der Stadtgeschichte in dem „Old Slave Mart Museum“, das in dem Gebäude untergebracht ist, wo die versklavten Menschen ihren Eigentümer wechselten. In der schon etwas angestaubten, aber trotzdem sehr sehenswerten Ausstellung erfährt man neben den großen Linien auch etwas über den Ablauf des Handels (Preise, Vorbereitung der menschlichen Ware) und der Beteiligten am Handel.


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