Die Gefahr, dass ich hier etwas monothematisch unterwegs bin, ist nicht ganz von der Hand zu weisen: Auch heute muss ich Euch noch einmal mit US-Geschichte und Sklaverei beschäftigen. Aber wie oft ist man schon in einer Stadt, in der der amerikanische Bürgerkrieg ausgebrochen ist? (Come to think of it, Donald Trumps gestrige Verurteilung in New York in dem nur vergleichsweise unbedeutenden Fall der Vertuschung von Schweigegeldzahlungen könnte ja auch noch politische Nachwirkungen haben. Wenn man mitten drin steckt, dann lässt sich das Historische immer am wenigsten beurteilen.)
Mit 163 Jahren habe ich beim Schreiben dieser Zeilen zumindest zeitlich genug Abstand von den Schüssen, die den Bürgerkrieg auslösten. Und räumlich genug Nähe zu Fort Sumter, auf die sich eben diese Schüsse richteten. Bevor ich ein wenige aushole: man kann von Charleston aus mit dem Schiff in einer halben Stunde zu eben diesem Fort gelangen, das auf einer kleinen Insel auf dem Übergang der Bucht zum offenen Atlantik liegt. Wir haben darauf allerdings in der Abwägung Preis+Sonnenbrand+ein paar Mauern vs Mittagessen in der Stadt darauf verzichtet und uns nur die kleine Ausstellung im Warteraum für die Schiffstour angeschaut.

Und damit zurück zum Bürgerkrieg: Im Wesentlichen ging es bei der Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südstaaten um die Sklavenfrage. Während der Süden und ganz besonders South Carolina vom Sklavenhandel profitierte und ökonomisch davon abhängig war, wollte der Norden die Sklaverei abschaffen. Die US-Verfassung hatte die kontroverse Frage umgangen und diese Entscheidung über den Umgang mit der Frage den einzelnen Staaten überlassen. Mit der Erweiterung der USA in den Westen musste aber entschieden werden, ob es mehr oder weniger Sklavenstaaten geben sollte. Abraham Lincoln, 1860 zum Präsidenten gewählt, positionierte sich gegen die Sklaverei – und die Südstaaten, South Carolina allen voran, entschieden sich aus der Union auszutreten.
Mit dem Angriff auf Fort Sumter, das von der Union gehalten wurde, begann die blutige Auseinandersetzung, die vier Jahre dauern, rund eine Dreiviertel Million Soldaten und ungezählte Zivilisten das Leben kosten sollte. Doch keine Angst, aufs Schlachtfeld begebe ich mich jetzt nicht mehr.
Stattdessen noch ein kurzer Abstecher in das 2023 eröffnete International African American Museum in Charleston. Am Ort der Werft, über die die meisten versklavten Menschen nach Nordamerika gelangten, erinnert es an die grausame Geschichte (eindrücklich ist auch ein Mahnmal auf dem Boden, das die Umrisse eines Schiffsdecks und der darauf liegenden Menschen zeigt). Zugleich lenkt es aber den Blick auf das Wissen und die reichhaltige Kultur, die die Afroamerikaner mitbrachten und heute noch pflegen. Genannt seien hier die Gullah-Geechee, die entlang der Ostküste ihre eigenen Traditionen über Generationen hinweg bewahrt und gepflegt haben.


Und sorry, wenn‘s hier heute ein wenig spät und ruckelig war. Morgen erzähle ich Euch warum.

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